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Barbara Roßmeißl: Tauschhandel in Argentinien | Kapitel V bis VIII.
V. Schlussbetrachtung VI. Bibliographie VII. Liste der Gesprächspartner
VIII. Anhang [ ZURÜCK zur GESAMTÜBERSICHT ]
V. Schlussbetrachtung
Betrachtet man die Möglichkeiten und Grenzen des Trueque in der Gesamtschau, wird schnell klar, dass das Tauschsystem in Zeiten wirtschaftlicher Krisen unter Problemen leidet, die sich kaum lösen lassen
und die verhindern, dass die Parallelwirtschaft die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Bevölkerung dauerhaft und vollständig kompensieren kann. Rein mengenmäßig ist er einem massiven Ansturm von Personen nicht
gewachsen, ohne dass es dabei zu destabilisierendem, ausbeuterischen Verhalten käme. Ferner kann er der zunehmenden Verarmung der Teilnehmer nur bedingt Einhalt gebieten, er leidet vielmehr selbst unter einer
Qualitätsminderung seiner Produkte. Die Abhängigkeit vom monetären Kapital der regulären Wirtschaft in Verbindung mit der begrenzten Akzeptanz des Crédito lässt Investition und Produktion nur in sehr kleinem
Rahmen zu, so dass der Trueque auf dem Niveau einer Subsistenzwirtschaft bleibt und keinesfalls eine Alternative zu einer Beteiligung am herkömmlichen Wirtschaftssystem darstellen kann.
Doch ist es
überhaupt nicht die Absicht des Trueque, mit der regulären Wirtschaft in Wettbewerb zu treten oder sie gar zu ersetzen. Sein Ziel ist vielmehr, den von der Krise getroffenen Bürgern eine Plattform zur Verfügung
zu stellen, mit der sie sich durch den gegenseitigen Austausch von Gütern und Dienstleistungen besserstellen und so durch eigene Initiative ihre Notlage gemeinsam lindern können. Auch wenn das System Ende 2002 mit
seinem Zusammenbruch, der durch das massive Anwachsen und die fehlenden Kontrollmechanismen verursacht wurde, einen herben Rückschlag erhielt, so dürfen doch die erstaunlichen Leistungen dieser informellen
Ökonomie nicht geleugnet werden. Immerhin konnte gerade die verarmte Mittelklasse von den Arbeits- und Versorgungsmöglichkeiten des Trueque enorm profitieren und das dadurch gesparte Geld weiterhin für notwendige
Ausgaben in der regulären Wirtschaft verwenden. „Vivir del Trueque“ – vom Trueque leben wurde sowohl für sie als auch für Teile der Sectores Populares ein wichtiger Teil ihrer Überlebensstrategien. Dies
ist der springende Punkt: Die Parallelökonomie allein kann zwar aufgrund der bekannten Probleme nicht die notwendigen Bedingungen schaffen, um ihren Nutzern einen Ausweg aus der Armut zu ermöglichen, sie kann
jedoch ein wichtiges Element der vielfältigen Strategien sein, welche die Menschen im informellen Sektor zu ihrer Subsistenzsicherung suchen.
Die Erfahrung des Trueque zeigt, dass die Errichtung von
Märkten und Währungen, die brachliegende Fähigkeiten und Kapazitäten erneut zur Befriedigung von Bedürfnissen einsetzen können und neue soziale Bindungen schaffen, eine sinnvolle Ergänzung der herkömmlichen
Wirtschaft ist. Der Einzelne, aber auch Händler und Unternehmen finden in ihm einen neuen Markt, können durch Kostenreduzierungsvorteile erneut an Wettbewerbsfähigkeit in der normalen Wirtschaft gewinnen und
somit schwierige Krisenzeiten effizient überbrücken sowie Arbeitsplätze erhalten. Der Trueque beweist außerdem, dass die Schaffung und Organisation einer Parallelökonomie durch das Engagement der Bevölkerung
selbst möglich ist.
Daher sollte der Trueque nicht nur als vorübergehende Rückzugsmöglichkeit in extremen Krisensituationen gesehen werden. Denn auch wenn sich die argentinische Wirtschaft wieder erholt,
wird es weiterhin zahlreiche Menschen mit Einkommensengpässen geben, die von einem Parallelsystem sowohl in materieller als auch in immaterieller Hinsicht profitieren können. Wichtig ist daher, in der derzeitigen
Phase der Neukonsolidierung auf eine nachhaltige Stabilisierung und Ausweitung des Tauschhandels hinzuarbeiten. Dazu ist es zunächst wichtig, ein effizientes Organisations- und Kontrollsystem einzuführen, das eine
strikte Kontrolle der Emission gewährleistet sowie über ausreichende Infrastruktur zur korrekten Buchhaltung und Erfassung der Prosumenten verfügt. Hier ist unter anderem eine juristische Regelung von staatlicher
Seite in Erwägung zu ziehen. Ein großes Problem sind die spärlichen finanziellen Möglichkeiten des Tauschhandels. Daher ist derzeit die Einrichtung einer Art „Sozialbank“ in Planung, die Kleinkredite für
Microemprendimientos sowie für den infrastrukturellen Ausbau des Trueque gewähren könnte. Weiterhin ist über die angemessene Größe der einzelnen Nodos und die maximale geographische Ausweitung eines
Tauschnetzwerks nachzudenken, damit das System kontrollierbar bleibt. Neue Teilnehmer sind durch umfangreiche Schulungen auf das Tauschsystem vorzubereiten, damit sie erkennen, wie wichtig die Einhaltung der
Spielregeln ist. Diese Schulungsmaßnahmen sollten wiederholt durchgeführt werden, um die Selbstverpflichtung der Mitglieder regelmäßig zu erneuern. Nur so können Preisspekulation und Ausbeutungsverhalten auf
ein Minimum reduziert werden und sich die gemeinschaftsorientierten Werte des Trueque im Verhalten der Teilnehmer festigen. Gerade durch die Verfolgung der Werte Solidarität und gegenseitige Hilfe, die im
herkömmlichen Wirtschaftssystem von untergeordneter Bedeutung sind, übernimmt der Trueque eine wichtige soziale Erziehungsaufgabe und fördert so den Zusammenhalt zwischen Menschen. Damit kann die
Parallelökonomie die reguläre Wirtschaft nicht nur aus materiellen Gesichtspunkten wirksam ergänzen, sondern gerade auch durch die Integration von gesellschaftlich relevanten Aspekten zur Vervollständigung des
Gesamtsystems beitragen.
VI. Bibliographie
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Vales Laura, „Plan Jefes y Jefas de Hogar – Pro y contra de un
seguro“ in: Página 12, 12. 05. 2002 unter: www.pagina12web.com.ar/buscador/ver.php?idnota=5040&idsec=1&fecha=2002-05-12, 18. 06. 2002
Ausgewählte Internetadressen:
http://www.appropriate-economics.org/ : Bietet einen Überblick in mehreren Sprachen über weltweite Initiativen gemeinschaftsorientierter Wirtschaften. Daneben gibt es Foren sowie eine virtuelle Bibliothek.
http://www.autosuficiencia.org.ar/ : Seite der Gründer der Red Global de Trueque, die einige Artikel und Information zu den Nodos der RGT bietet.
http://www.chasque.net/aharo/trueque/ : Red Global de Trueque in Uruguay
http://www.economiasolidaria.net/ : Bietet Wissenswertes zum Thema gemeinschaftsorientierte Wirtschaft, unter anderem eine virtuelle Bibliothek mit Downloadmöglichkeit.
http://www.futuremoney.de/ : Seite von Bernard Lietaer; Wissenswertes zum Thema Geld, Zins und Komplementärwährungen.
http://www.lightlink.com/ithacahours : Information über das Parallelwährungssystem der „Ithaca Hours“ in Canada
http://money.socioeco.org : Forum über Sozialwährungen. Es gibt ferner einige Artikel zum Download.
http://www.tauschring.de/ : Bietet einen sehr vollständiger Überblick über deutsche und internationale Tauschringinitiativen. Die Seite beinhaltet auch Adressen von Tauschringen und wird ständig aktualisiert.
http://www.truequeenlinea.com.ar/ : Red Global de Trueque
http://www.trueque-marysierras.org.ar/ : Red de Trueque Solidario, Región Mar y Sierras. Sehr umfangreiche Darstellungen; Online-Bibliothek mit sehr vielen Artikeln zum Thema Trueque und Alternativwährungen.
http://www.urbared.ungs.edu.ar/experiencias_referencias.php?expID=1 : Forum der Universidad Nacional de General Sarmiento mit Beiträgen zum Trueque in Argentinien.
http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/ : Material zur Geld-, Zins- und Schuldenproblematik
VII. Liste der Gesprächspartner
Abramowich, Ana Luz und Vázquez, Gonzalo vom Instituto del Conurbano der Universidad Nacional de General Sarmiento (UNGS) in San
Miguel, Buenos Aires; Interview am 04. 06. 2003
Arevalo, Estela, 37, aus Santiago del Estero, ehemalige Koordinatorin eines Clubs. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in einem ärmlichen
Stadtviertel. Sie macht keine Angaben zu ihren monatlichen Einkünften, gibt aber an, durch den Tauschhandel ihre wöchentlichen Ausgaben um 20 bis 30$ reduziert zu haben. Interview am 22. 05. 2003
Auat,Elisa, 45, aus Santiago del Estero, ohne Arbeit. Ihre zehnköpfige Familie lebt in einem heruntergekommenen Häuschen mit zwei Zimmern in einem sehr armen Stadtteil. Das Gesamteinkommen der Familie beträgt
ca. 300$ im Monat, ist aber sehr unregelmäßig. Sie gibt an, ihre monatlichen Ausgaben durch den Trueque um bis zu 100$ reduziert zu haben. Interview am 13. 05. 2003
Bertaccini, Beatriz
, Leiterin des Nodo „Montserrat“ in Buenos Aires Capital. Der Nodo ist Teil der Initiative „Pan y Cultura – emprendimientos comunitarios, CTA“; Interview am 09. 06. 2003
Del Valle, Carlos
, langjähriger Koordinator und Schulungsleiter der RTS; Interview am 19. 06. 2003
De Sanzo, Carlos, Mitbegründer der RGT in Bernal, (Quilmes, Buenos Aires); Interview am 07. 06. 2003
Duran Diaz de Ledesma, Suzana, ehemalige Koordinatorin des Nodo „Modelo San Jorge“ im Barrio „Smata“ (Viertel der unteren Mittelklasse) in Santiago del Estero; Interview am 15. 05. 2003
García, Sandro, 27, aus Capital Federal, arbeitslos. Lebt vom Verkauf von Konserven, Marmeladen und Popcorn, die er, seine Schwester und seine Mutter zuhause produzieren. Dieses Microemprendimiento wurde im Trueque gegründet und ist mittlerweile auf dem regulären Markt mit einem eigenen Geschäft erfolgreich. Sandro macht keine Angaben zum monatlichen Einkommen seiner Familie. Interview am 18. 06. 2003
Gomez, Mercedes, Koordinatorin des Nodo „La Estación“ in Chacarita. Der Club wurde 1999 gegründet und fasste zu Beginn des Jahres 2002 über 4000 Prosumenten. Er war einer der größten Nodos in Buenos Aires (Capital Federal). Interview am 03. 06. 2003
Hurtado, Carmen aus Belgrano, einem Stadtteil der Mittelklasse in Buenos Aires. Sie baut im eigenen Garten Heilkräuter an und besucht verschiedene Nodos ihrer Umgebung. Anfänglich konnte sie dadurch ihre Ausgaben um bis zu 150$ pro Monat reduzieren. Interview am 10. 07. 2003
Marani, Mabel aus Quilmes, verwitwet mit drei Kindern. Sie konnte sich über den Trueque ihren Büroraum einrichten und Reparaturen an ihrem Haus durchführen lassen. Interview am 02. 07. 2003
Marchini, Jorge, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universidad de Buenos Aires (UBA); Interview am 25. 06. 2003
Marino, Alberto, Leiter der Fundación el Prosumidor in Mendoza. Die Stiftung betreibt in der Provinz eigene Tauschringe, ihre Währung nennt sich „Ecovale”. Interview am 25. 06. 2003
Maris, Estela, Koordinatorin des Nodo „El Camino“ in Merlo Norte; Interview am 02. 07. 2003
Martínez, Graciela, 46, Verkäuferin, ehemalige Prosumentin der Bernalesa (RGT),
Quilmes. Sie nützte den Trueque vor allem während ihrer Arbeitslosigkeit und gründete mit ihrer Familie ein Microemprendimiento für Soja-Produkte. Interview am 11. 06. 2003
Maruelli, Marcela,
Krankenschwester aus Frías, Stadt mit knapp 30000 Einwohnern in der Provinz Santiago del Estero, ehemalige Koordinatorin des dortigen Clubs; Interview am 11. 05. 2003
Pellegrini, Enzo, 59, aus
Chacarita, Buenos Aires Capital, ehemaliger Bankangestellter, hat derzeit keine regelmäßige Einkünfte, da er das Mindestalter für Rentenbezug noch nicht erreicht hat. Lebt daher vor allem von den Einkünften
seiner Familie (Eltern und Geschwistern), die Landwirtschaft in der Provinz Santa Fe betreibt. Kann den Beitrag des Trueque nicht genau beziffern. Interview am 24. 06. 2003
Primavera, Heloisa
, Dozentin der Maestría de Administración Pública an der Fakultät für Wirtschaft der Universidad de Buenos Aires (UBA) und Leiterin des dortigen Forschungsprogramms für Komplementärwährungen und Sozialökonomie. Primavera selbst arbeitete zunächst mit den Gründern der RGT zusammen, setzte sich dann aber für die Spaltung des Netzwerks und die damit verbundene Gründung der RTS ein. In Zusammenarbeit mit mehreren NGOs betreut sie ein weiteres Parallelwährungsprojekt in Brasilien. Interview am 28. 06. 2003
Rinaldi, María Cristina, Prosumentin und Koordinatorin des Nodo „Manos Creativas“ im Stadtteil Belgrano, Buenos Aires Capital. Sie ist Schneiderin und gibt an, über den Tauschhandel 70% ihrer
Haushaltsausgaben abgedeckt zu haben. Interview am 14. 07. 2003
Sampayo, Fernando, Geschäftsführer des Trueque Zona Oeste; Interview am 07. 07. 2003
Solmí, Victor
, ehemaliger Leiter von Trueque-Pymes der RGT. Trueque-Pymes kümmerte sich gezielt um die Integration von Unternehmen in das Tauschnetzwerk. Solmí ist selbst Geschäftsführer eines
Unternehmens. Interview am 16. 06. 2003
VIII. Anhang
Die Währungsvielfalt des Trueque – eine Auswahl:
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