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Einen anderen Weg geht der Karlsruher „Carlo“, der in Kooperation mit „Besser ohne Zins“ in Stuttgart [6] derzeit ein Girokontensystem plant, das in der Rechtsform einer Gesellschaft bürgerlichen
Rechts den Betrieb von Girokonten ohne Banklizenz ermöglicht. Die Sparkasse Leipzig plant die Herausgabe eines Regionalgeldes, das komplett auf einem Girokontensystem aufbaut.
Vom Schülerunternehmen zur Genossenschaft [Übersicht]
Der stark wachsende Chiemgauer hat sich längst vom Schülerunternehmen zum professionellen Verein weiter entwickelt, der wie der Sterntaler beabsichtigt, 2007 eine Genossenschaft
für den Betrieb des Regiogeldes zu gründen. Ab Herbst 2006 ist ausgehend von einer EU-Richtlinie in Deutschland eine rechtliche Erleichterung der Gründung kleinerer Genossenschaften zu erwarten [7]. Neben
Genossenschaften mit wirtschaftlichen Zwecken sind dann auch Genossenschaften mit vornehmlich sozialen und kulturellen Zwecken erlaubt – eine Mischung, die als Organisationsform für wachsende Regiogeld-Initiativen
ideal erscheint.
Die Gründung von Genossenschaften ging im 19. Jahrhundert insbesondere auf die Initiativen von Herrmann Schultze-Delitzsch (1808–1883) und Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888) zurück, die
mit diesem Selbsthilfeinstrument die in ihren Regionen daniederliegende Wirtschaft wieder belebt haben. Es ist erstaunlich, dass nun sowohl in der Heimatstadt von Herrmann Schultze in Delitzsch eine Sparkasse die
Herausgabe eines Regiogeldes zur Unterstützung der heimischen Wirtschaft betreibt [8] als auch in der Heimat von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gleich zwei Regiogeld-Initiativen entstanden sind. In Delitzsch soll
Regiogeld in Analogie zum Schweizer WIR-Franken herausgegeben werden. Abhängig vom Ergebnis einer für die nächsten Wochen erwarteten Machbarkeitsstudie ist dort ein regionales Barter-System zwischen Firmen,
Freiberuflern und ggfs. Privatpersonen sowie ein regionales Prepaid-Kartensystem für Endverbraucher geplant.
Unterschiede zwischen westdeutschen und ostdeutschen Initiativen
Die ostdeutschen Regiogeld-Initiativen haben sich wegen ihrer besonderen Ausgangslage als Regio Initiativen Ost (RIO) zusammengeschlossen. Versuche, in Ostdeutschland das in
Westdeutschland so erfolgreiche Modell des Chiemgauers einzuführen, stießen bisher auf Schwierigkeiten. In Ostdeutschland scheinen zu wenig Euros in Umlauf und zu wenig Unternehmen aktiv zu sein, so dass die Ausgabe
von Regiogeld im Tausch gegen Euro dort bisher keine dem Chiemgauer vergleichbaren Erfolge erzielen konnte.
Aus dieser Erkenntnis heraus ist der in Sachsen- Anhalt gültige „Urstromtaler“ bereits als
leistungsgedeckte Währung konzipiert, die nur im Ausnahmefall auch gegen Euro erworben werden kann. Wer bereit ist, Leistungen (Waren, Arbeits- oder Dienstleistungen) für Urstromtaler (vollständig oder anteilig)
anzubieten und so selbst zur Akzeptanzstelle zu werden, kann bei der Verrechnungsstelle ein Konto mit vereinbarter unterer Begrenzung eröffnen und erwirbt somit die Möglichkeit, wie in einem Tauschring Überweisungen
von Urstromtalern an andere Nutzer vorzunehmen oder sich von diesem Konto Wertgutscheine auszahlen zu lassen. Jede/r Teilnehmer/in kann auch 20 Urstromtaler Wertgutscheine gegen Quittung als sog. Starterkit erhalten
– mit der Verpflichtung zur Rückgabe des empfangenen Wertes zu einem späteren Zeitpunkt in Urstromtalern oder in Euro [9].
Die Potsdamer Initiative „Havelblüte“ ist als komplett leistungsgedeckte Währung
konzipiert und knüpft die Menge des emittierten Regiogeldes neben der Akzeptanzquote direkt an die Anzahl von Arbeitsplätzen – und schafft damit einen wegweisenden Bezug zu den Zielen von Regiogeldern [10].
Innerhalb der ostdeutschen Initiativen gibt es auch Überlegungen, ähnlich dem WÄRA-Verrechnungsring aus der Zeit von 1926 bis 1931 eine übergreifende Vernetzung aufzubauen, um trotz der relativ geringen Dichte von
Unternehmen im Allgemeinen und Regiogeld-Akzeptanzstellen im Besonderen endogene Wirtschaftskreisläufe stärker zu beleben. In Dessau betreibt die Dessau AG als erste Organisation direkte Konkurrenz zu einem
bereits bestehenden Regiogeld, dem „Urstromtaler“. Im Dezember 2005 startete in Dessau die De(ssau)Mark als Barterwährung, die im Jahr 2006 durch ein DeMark-Gutscheinsystem ergänzt werden soll [11].
Aktuelle Konfliktfelder im Bereich Regiogeld [Übersicht]
Mit der Dessau AG übernimmt ein privater Verein die Idee der Regiogeld-Initiativen, der durch eine EU-Förderung bei seiner Konstitution
vergleichbar umfangreiche öffentliche Mittel zur Verfügung hatte. Zudem ist er mit einem ehemaligen Regierungspräsidenten, DGB-Vorsitzenden, amtierenden Landrat und Hochschulpräsidenten deutlich prominenter besetzt
als bisherige Regiogeld-Initiativen.
Mit einem regionalen Barterring, der geplanten Einführung eines Regiogeldes und einer Regiocard nutzt die Dessau AG umfangreiche Vorarbeiten der bisherigen
Regio-Initiativen, ohne deren bisherige Organisationskultur zu übernehmen. Gespräche mit dem Vorstand des Regiogeldverbandes haben ergeben, dass zu-nächst nicht die Dessau AG als Ganzes, sondern nur deren Regiogeld
betreibende Initiative für eine Mitgliedschaft im Verband und damit auch Anerkennung dessen Qualitätskriterien in Frage kommt. Ähnlich herausfordernd ist die geplante Einführung eines Regiogeldes durch die
Sparkasse Leipzig, die im letzten Jahr die Sparkasse Delitzsch übernommen hat und tendenziell gewinnorientiert ausgerichtet ist – d.h. in diesem Punkt die Qualitätsstandards des Regiogeld-Verbandes nicht automatisch
erfüllt.
Mit dem regionalen Marshallplan des österreichischen Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit sowie der Arbeiterkammer Niederösterreich wurde jüngst im Waldviertel neben der dort bestehenden
Waldviertler-Initiative ein neuer Verein gegründet, der den bereits existierenden „Waldviertler“ übernehmen und weiterentwickeln soll. Dabei fließen zwar nun umfangreiche personelle und finanzielle Mittel in diese
Region; doch gleichzeitig wächst die Gefahr, dass sich aus Wien in die Region ‚eingeflogene’ Experten im Schnelldurchgang technische Aspekte einer Regionalwährung aneignen, ohne deren soziale Bedeutung und
Funktionsweise zu durchdringen. So plädierte die Arbeiterkammer jüngst auf einem Kolloquium der Initiative strikt für die Abschaffung der Geldumlaufsicherung.
Einerseits besteht also die Chance, dass
Regiogelder zukünftig aus ihrer bisherigen Nische geführt werden. Andererseits besteht die Gefahr, dass ihr Charakter dabei wesentlich verändert wird. Das Fachkompetenznetzwerk des Regiogeld-Verbandes beschäftigt
sich mit dieser Frage und empfiehlt dem Verband tendenziell eine Öffnung in wirtschaftlicher und kommerzieller Richtung. Eine mögliche Lösung dieses Konflikts könnte darin bestehen, dass Verbandsmitglieder selbst
zwar weiterhin eindeutig gemeinwohl-, d.h. nicht-gewinnorientiert ausgerichtet bleiben könnten, mit dem Betrieb ihrer Regionalwährung jedoch auch gewinnorientierte Organisationen beauftragen könnten. Bisher konnten
entsprechende Konflikte durch umsichtiges Verhalten der Konfliktpartner stets konstruktiv gelöst werden. So kooperieren inzwischen auch der Urstromtaler und die Dessau AG. Der Waldviertler-Verein ist dem
Regiogeld-Verband beigetreten.
In der Frage der Umlaufsicherung ermöglicht der Regiogeld e.V. bisher auch Regiogeldern ohne strenge Umlaufsicherung mit folgender Formulierung seiner Qualitätskriterien eine
Mitgliedschaft: „Neutralität im Austausch: Die Neutralität des Verrechnungsmittels ist über geeignete Instrumente, wie zum Beispiel einen Umlauf-Impuls oder eine Ablauffrist sicherzustellen. Instrumente im Spar- und
Investitionsbereich dienen dazu, den Guthabenzins auf ein verteilungsneutrales Maß zu senken.“
Konkurrenz und Kooperation mit Bonuscard-Betreibern [Übersicht
]
In vielen Regionen wurden in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit Zeitungsverlagen sog. Bonuscards eingeführt, die den
beteiligten Verbrauchern (und Zeitungsabonnenten) Rabatte bei den teilnehmenden Händlern gewähren [12]. Gewinn bringt diese Aktion zumeist den kriselnden Zeitungen durch die damit verbundenen Inserate und die
Bindung von Abonnenten sowie dem gewinnorientierten Bonuscard-Betreiber, der über die verspätete Auszahlung der Boni-Guthaben neben Gebühren zinslose Kredite in großer Höhe erhält [13]. Verlierer dieser mit großer
Medienwirkung eingeführten Kartensysteme sind die beteiligten Händler, die teilweise bis zu 15 % Rabatte und Gebühren zahlen.
In der Grafschaft Bentheim und anderen Regionen wurde der Aufbau von Regiogeldern
gestoppt, da die Einführung eines Regiogeldes den Beteiligten zusätzlich zu bestehenden Bonuscards nicht vermittelbar wäre. Im Emsland eruieren die Initiatoren des „Emstalers“ daher über die maßgeblichen Zeitungen
die Möglichkeit einer Kooperation zwischen beiden Systemen. Theoretisch wäre eine Weiterentwicklung von vornehmlich gewinnorientierten Euro-Bonuscards zu vornehmlich gemeinwohlorientierten Regiogeldern denkbar – ob
die Bonuscard-Betreiber diesen Weg mitgehen werden, bleibt abzuwarten.
Wissenschaftliche Begleitung der Praxis [Übersicht
]
In der letzten Zeit sind bereits zahlreiche Diplomarbeiten und auch Dissertationen zum Thema Regiogeld geschrieben oder begonnen
worden, deren Verfasser/innen sich im Netzwerk Monetäre Nachhaltigkeit www.mona-netz.de zusammen geschlossen haben. Dessen Verhältnis zum neuen Regiogeld-Verband bedarf noch der Klärung.
Angegliedert beim Regiogeld-Verband hat sich zudem ein Kompetenznetzwerk von Fachleuten verschiedener Berufsgruppen sowie aus Wissenschaft und Forschung gebildet, das theoretische und konzeptionelle
Grundlagenarbeit betreibt, Forschungsarbeiten vernetzt und Regio-Initiativen berät. In diesem Netzwerk werden u.a. eine Buchveröffentlichung zum Thema Regiogeld und Wirtschaft, eine Dissertation zur Klassifikation
von Komplementärwährungen und eine Übersicht zur Girokontenführung von Regiogeldern vorbereitet. Neben der Arbeitsgruppe Entwicklungspotential von Regiogeld ist eine Arbeitsgruppe Antisemitismus um Klarstellungen
bemüht, dass die Geld- und Zinskritik keinen antisemitischen Hintergrund hat – vielmehr dem Antisemitismus die Grundlage entziehen soll. Regionalisierung der Wirtschaft bedeutet keine Wiederkehr des Nationalismus
durch regionale Hintertüren, sondern gemäß der Devise „Regio ergänzt Euro“ eine Integration gestärkter regionaler Wirtschaftskreisläufe in eine offene europäische und globale Wirtschaft.
Das
Fachkompetenznetzwerk diskutiert aktuell auch das Verhältnis von Regiogeldern zu bereits bestehenden anderen Nebengeld-Arten wie Miles-and-More. Neben dem bestehenden Euro-Geldsystem existieren bereits zahlreiche
andere komplementäre Geld- oder geldähnliche Systeme. Diese könnten in ihrer Gesamtheit z.B. durch die Gründung eines Nebengeld-Verbandes oder –Instituts breiter in das Bewusstsein der Öffentlichkeit transportiert
werden. Solch ein – bisher allerdings nur vage angedachtes - Institut könnte weitergehend auch als Kommunikationsplattform zu den Wirtschaftswissenschaften wie auch zur Deutschen Bundesbank und zur Europäischen
Zentralbank fungieren. In dieser Hinsicht wird auch der Club-of-Rome-Bericht 2006 mit dem Titel „Money and Sustainability – The Missing Link“ wirken, der eine Vielfalt monetärer Instrumente zur Erreichung von
Nachhaltigkeitszielen beschreibt und empfiehlt.
Vom Netzwerk zum Verband [Übersicht
]
Als im Sommer 2005 dem schleswig-holsteinischen „KannWas“ in Medienberichten eine Nähe zur NPD unterstellt wurde, kam es
innerhalb des Regionetzwerks zu heftigen internen Auseinandersetzungen um die Frage, wie das Netzwerk mit solchen Vorwürfen gegen einzelne Mitgliedsinitiativen umgehen und wie es darauf nach innen und außen
reagieren könnte. Dabei trat ein Mangel an demokratischen Entscheidungsstrukturen zu Tage, der Anlass zu Bestrebungen gab, das Netzwerk in einen Verband zu überführen. Zur Gründung eines solchen Verbandes kam es auf
einem Treffen der Initiativen am 3. Februar 2006 in Traunstein. Zum 1. Vorsitzenden wurde der Rechtsanwalt und Initiator vom „Urstromtaler“ Frank Jansky gewählt, darüber hinaus leiten nun mit Franz Galler als
Inititiator des „Sterntaler“ und Christian Gelleri als Gründer des „Chiemgauers“ die Geschicke der Regiogeld-Bewegung.
Der Verband versucht basisdemokratisch kreative mit effektiv hierarchischen
Arbeitsstrukturen zu verbinden. Weitergehend als das bisherige Regionetzwerk, das im Sommer 2006 aufgelöst werden soll, wird der Verband eine öffentliche und politische Interessenvertretung der Regio-Initiativen
übernehmen. Margrit Kennedy ist nun nicht mehr Koordinatorin des Netzwerks, sondern konzentriert sich zukünftig auf ihre Vermittlerrolle zu anderen internationalen Regiogeld-Initiativen.
Im Laufe des
Übergangs vom Regionetzwerk zum Regiogeld-Verband konnten bislang sowohl die Auseinandersetzungen mit den Vorwürfen des Rechtsextremismus als auch die durch unmittelbare Konkurrenz-Situationen entstandenen
Interessenkonflikte mit Hilfe einer bewussten Anwendung von Methoden der gewaltfreien Kommunikation im Sinne von Marshall B. Rosenberg konstruktiv gelöst werden [14].
Perspektiven [Übersicht
]
Im Regiogeld-Verband selbst könnte sich zukünftig neben einer zunehmenden regionalen Vernetzung der Regio-Initiativen in ca. vier
bis fünf deutschen sowie einem schweizerischen und österreichischem Netzwerk auch ein Ausbau zu einem Europäischen Regionalgeld-Verband ergeben.
Auf einem Regionalgeld-Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung in
Sachsen-Anhalt im Frühjahr 2005 versprach der damalige parlamentarische Staatsekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Ulrich Kasparick MdB, den Regiogeld-Verband im Jahr 2006 bei der Vorbereitung
einer Anhörung im Deutschen Bundestag zum Thema Regiogeld zu unterstützen. Damit eine Anhörung im Bundestag von allen Fraktionen unterstützt wird, werden nun die Namen von
Bundestagsabgeordneten benötigt, die für das Regionalgeldthema offen sind oder es bereits explizit unterstützen (entsprechende Hinweise nimmt der Autor gern entgegen).
Nach Einschätzung von Dr. Rösl vom
Zentralbereich Volkswirtschaft der Deutschen Bundesbank sind Regiogelder trotz ihres Aufdrucks „Gutschein“ Geld im ökonomischen Sinne, da sie die Geldfunktionen Zahlungsmittel, Recheneinheit und
Wertaufbewahrungsmittel erfüllen. Da sie jedoch nicht alle Geldfunktionen uneingeschränkt erfüllten und relativ teuer seien, spielten sie derzeit aus gesamtwirtschaftlicher Sicht keine nennenswerte Rolle [15] – eine
Einschätzung, die auch H. Creutz vertritt [16].
Rösl hatte im Frühjahr 2005 einen kritischen Artikel veröffentlicht, in dem er den Regiogeld-Initiativen vorwarf, sich persönlich bereichern zu wollen [17].
Diese Kritik äußert er inzwischen nicht mehr – auf Nachfrage attestiert er den Initiativen vielmehr einen hohen Grad an Transparenz und Vertrauenswürdigkeit [18]. Positiv einzuschätzen sei auch die Werbewirksamkeit
der Gelder für die jeweilige Region.
Erstaunlich ist, dass Rösl leistungsgedeckte Regionalwährungen und regionale Barterringe als ökonomisch sinnvoll bezeichnet, da diese im Unterschied zu eurogedeckten
Regiogeldern zusätzliche Liquidität in Regionen bringe, wo diese fehle [19]. Bislang wurde eher vermutet, dass die Bundesbank eurogedeckte Regiogelder bevorzuge, da sie diese über ihr Euro-Monopol zumindest
mittelbar steuern kann.
Da Regiogelder derzeit und zukünftig nicht die Preisstabilität des Euros gefährden, scheinen zumindest von Seiten der Deutschen Bundesbank auf absehbare Zeit keine Aktivitäten in
Richtung von Verboten von Regionalgeldern auszugehen. Mit exakt 0,00002 % der umlaufenden Bar- und Girogeldmenge seien Regionalgelder derzeit volks- wirtschaftlich mehr als unbedeutend [20].
Während einer
Diskussion zum Thema Regionalgeld im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank im April 2006 stimmte Rösl zwar zu, dass eine u.a. von den Ökonomen Fisher und Keynes befürwortete Zinssenkung die Arbeitslosigkeit reduzieren
könne; doch auf deren Gedankengebäude gebe heute in der Bundesbank niemand mehr etwas. Die Bundesbank orientiere sich strikt an ihrer Aufgabe, für Preisstabilität zu sorgen, so Rösl.
Hütet die Bundesbank
entsprechend ihrem gesetzlichem Auftrag in erster Linie die Preisstabilität des Euro und sieht sie diese tatsachengemäß durch Regionalgelder nicht gefährdet, so könnte der Weg frei sein, über parlamentarische
Initiativen eine Anerkennung von Regiogeld als innovativem Instrument nachhaltiger Politik zu erlangen, wie dies im Bericht 2006 an den Club of Rome der Fall sein wird [21]. Parlamentarier/ innen vertreten ihrem
Auftrag gemäß sehr viel weiter gespannte Interessen als die Deutsche Bundesbank. Es wäre wünschenswert, dass zukünftig ein Regionalgeld-Verband mit gemeinwohlorientierten Qualitätskriterien gegenüber Regiogeld
herausgebenden Banken ähnlich wie die Deutsche Bundesbank gegenüber Euros verwaltenden Banken als Hüter allgemeiner Interessen anerkannt würde.
Anmerkungen
[Übersicht
]
[1] Chiemgauer Jahresstatistik 2005 vom 23.02.2006, www.chiemgauer.info [2] Steinbach, M., Institut für Soziale Ökologie: Der Roland-Gutschein – eine (verfassungs)rechtliche Beurteilung,
Bremen 2002, www.roland-regional.de [3] Pressemeldung der Bundesdruckerei GmbH v. 7.2.2005, www.bundesdruckerei.de [4] dokumentiert in der Galerie des www.berliner-regional.de [5] Der Sterntaler veröffentlicht besonders umfangreiche Informationen auf seiner Homepage www.star-mach-mit.com [6] www.ozb-stuttgart.de [7] Siehe entsprechende Entwürfe eines Gesetzes zur Einführung der Europäischen Genossenschaft und zur Änderung des Genossenschaftsrechts in Deutschland
unter www.bmj.bund.de/media/archive/1115.pdf und in Österreich: Genossenschaftsrechtsänderungsgesetz 2006 sowie dessen Erläuterungen unter www.bmj.gv.at/gesetzesentwuerfe [8] Gründler, E.: Klein Geld – Geld macht erfinderisch.
Vor allem, wenn es fehlt. Da kommt man auf die besten Ideen. Und erfindet neues Geld, in: Brand Eins 05/04, S. 104-108. [9] ‚Ausgabe- und Nutzungsmöglichkeiten der Regionalwährung „Urstromtaler“’ unter www.urstromtaler.de [10] „Startkontingent für Unternehmen“ unter www.havelblueten.de [11] P.T. Magazin für Wirtschaft, Politik und Kultur vom 02.04.2006: „Mit
Tauschgeschäften und Regiogeld gegen die Wirtschaftskrise“. [12] Siehe u.a. www.payback.de, www.loyaltypartner.com, www.bonuscard.ch und www.bonuscards.at
[13] Vgl. Rösl, G.: Regionalwährungen in Deutschland, in: Wirtschaftsdienst 3/2005, S. 190. [14] Siehe u.a. www.gewaltfrei-kommunizieren.de
[15] Rösl, G.: Regionalwährungen in Deutschland, in: Wirtschaftsdienst 3/2005, S. 184 ff. [16] Creutz, H.: Möglichkeiten und Grenzen praktischer Geldexperimente, in: Zeitschrift für
Sozialökonomie Nr. 144, März 2005, S. 29 ff. [17] Rösl, G.:
Regionalgeld in Deutschland – Lokale Konkurrenz für den Euro?, in: Bundesbankmagazin 2/2005, S. 16-18; vgl. dazu auch den Kommentar von Hugo Godschalk in diesem Heft.
[18] Rösl, G.: Regionalwährungen in Deutschland, in: Wirtschaftsdienst 3/2005, S. 182-190. [19] So Rösl auf seinem Vortrag „Regionalwährungen: Ein Beitrag zur lokalen Wirtschaftsförderung?" am 19.04.2006 im
Geldmuseum der Deutschen Bundesbank. Diese Meinung gilt jedoch bisher nicht als Meinung der Bundesbank, die sich offiziell zu Regionalwährungen noch nicht geäußert hat. [20] So Rösl auf seinem Vortrag
„Regionalwährungen: Ein Beitrag zur lokalen Wirtschaftsförderung?" am 19.04.2006 im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank. [21] Der wesentlich von B. Lietaer und S. Brunnhuber verfasste Bericht mit dem Titel
„Money and Sustainability – The Missing Link“ wird im Sommer 2006 veröffentlicht werden.
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