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Gerhard Senft: Aufstieg und Niedergang der Technokratie
"Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst." Heinz von Foerster [1]
Übersicht Was ist Technokratie? Saint-Simon als ein Wegbereiter der Technokratie "Social Engineering" in einer "machbaren" Welt
Die technokratische Bewegung in den USA und in Europa Technokratie, Nationalsozialismus und Kommunismus
Die Ideologie der Technokratie nach 1945 Kapitalkonzentration und Technokratie
Suche nach einer anderen Moderne Libertäre Demokratie statt Technokratie Anmerkungen
Was ist Technokratie?
In der Reihe der Auseinandersetzungen um die soziokulturelle Rolle
des technischen Sachverstandes war die Technokratie-Debatte eine der wesentlichsten im 20. Jahrhundert. Eine Fülle von Literaturerzeugnissen liefert dazu die Bestätigung. Trotz alledem ist es bis heute schwierig
geblieben, zu einer einheitlichen Definition des Technokratiebegriffes zu finden. Wörtlich genommen bedeutet Technokratie Herrschaft bzw. Macht der Techniker oder Experten, wobei nicht die bloße Machtausübung im
Industriebetrieb, sondern in Gesellschaft und Politik im Allgemeinen gemeint ist. Die verschiedenen Zugänge zum Technokratiebegriff ergaben sich in der Folge aus den Versuchen, die Zusammenhänge schärfer zu
fassen. Hans Lenk listete in den 1970er Jahren zwölf unterschiedliche Deutungen auf, die "die Technokratie" oder "das Technokratische" kennzeichnen sollten.[2] Für den kritischen Betrachter ist
es nicht unerheblich, ob auf die Ebene der Ideologien, auf einen überzogenen Planungsoptimismus (Andre Gorz) oder auf eine technizistische Verhaltensprägung (Theodor W. Adorno, Max Horkheimer) Bezug genommen wird.
Günter Ropohl geht allerdings davon aus – und diese Sichtweise soll hier übernommen werden –, dass sich die verschiedenen Technokratiebegriffe als Varianten von zwei Hauptdefinitionen auffassen lassen;
einmal meint "Technokratie" die politische Herrschaft bestimmter fachlich qualifizierter Personengruppen; diesem Technokratiezugang entsprechen die "industrielle Honoratiorenherrschaft", die
"Ingenieurokratie" und die "Expertokratie". Zum zweiten kann "Technokratie" die Herrschaft einer autonom gewordenen Technik und eines davon induzierten technizistischen Denkens
bedeuten; Erscheinungsformen dieses Technokratiebegriffes beziehen sich auf "technisch organisierte Herrschaft", auf die "Normativität technologischer Möglichkeiten", auf eine
"technizistische Hintergrundideologie", auf einen möglichen "Totalzustand der Gesellschaft" und auf eine "Planungsideologie".[3]
Saint-Simon als ein Wegbereiter der Technokratie [Übersicht]
Als ein wesentlicher Vorläufer
der technokratischen Ausrichtung taucht in der einschlägigen Literatur der Name Claude Henry de Rouvroy Saint-Simon auf (1760–1825). Saint-Simon war ein typischer Vertreter jener Übergangsepoche, in der am
Beginn des 19. Jahrhunderts die Auflösung eines normativ-teleologischen Weltbildes durch ein mechanistisch-kausalistisches Weltbild vollzogen wurde. Saint-Simon betonte in seiner Lehre besonders den sozialen
Charakter des Fortschritts, er unterschied aufeinanderfolgende Gesellschaftssysteme und leitete aus der Erkenntnis verschiedenster Gesetzmäßigkeiten die Möglichkeit der Prognose ab – auch hinsichtlich einer
Gesellschaftsumgestaltung. Er sprach sich für eine rational organisierte, auf die Entwicklung der Produktivkräfte hin orientierte soziale Ordnung aus. In diesem Sinne empfahl er eine enge Verbindung von
Wissenschaft und Industrie, wobei er die "Politik" als die Wissenschaft von der Produktion betrachtete. Als die entscheidende Kraft zur Umgestaltung der Verhältnisse definierte er die Klasse der
"Industriellen". Sie sah er in den Spitzenpositionen, sie sollten die Staatsfinanzen verwalten, sie sollten zugleich Gesetzgeber und Richter sein. Wesentlich ist bei Saint-Simon noch, dass er ein
Gesellschaftsbild propagierte, in dem an die Stelle der Herrschaft von Menschen über Menschen die Herrschaft von Sachgesetzlichkeiten und die Verwaltung von Sachen tritt. In dieser hierarchischen leistungselitären
Gesellschaft wird also Herrschaft durch den Sachzwang ersetzt. In den Ordnungsvorstellungen Saint-Simons ist die Gesellschaft zu einer einzigen großen Unternehmung geworden, in der ein organisatorischer
Determinismus hinsichtlich der Kooperationsgegebenheiten und ein naturalistischer Determinismus hinsichtlich der auf die Natur gerichteten Aktionen herrscht.
Die Honoratioren-Leitungsfunktion der
Industriellen, die in so manche Interpretation des Saint-Simonismus einfloss, ist unverwirklicht geblieben. Eingetreten ist jedoch der ebenfalls von Saint-Simon prognostizierte rasante Aufstieg der Techniker und
Ingenieure. Es dauerte zwar einige Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, bis die Ingenieure im Ringen um eine angemessene Einordnung und Bewertung ihres Berufsstandes erste Erfolge erringen konnten; diese waren aber umso
durchschlagender. Die zweite industrielle Revolution ließ den Bedarf an technischem Sachverstand ruckartig anwachsen, die Zahl der technischen Hochschulen und Fakultäten vervielfachte sich, der Zustrom von
Studenten an die technischen Ausbildungsstätten erhöhte sich bedeutend. Das berufständische Emanzipationsbegehren hatte sich auch in entsprechenden Verbandsbildungen niedergeschlagen (1856: Gründung des Vereins
Deutscher Ingenieure), mit zunehmender Festigung seiner Position in der modernen Industriegesellschaft erlebte der Ingenieurstand eine deutliche Steigerung seines Selbstbewusstseins. Techniker und Ingenieure
begannen ihre Problemlösungskapazität nun auch auf Bereiche auszudehnen, die ursprünglich dem technischen Gestaltungswillen entzogen waren.
"Social Engineering" in einer "machbaren" Welt
[Übersicht
]
Bezeichnend war so etwa der Titel einer 1901 vom Wiener Eisenbahningenieur Wenzel Schober herausgegebenen Schrift: "Die Mitwirkung
der Techniker im neuen Jahrhundert bei der Lösung der nationalökonomischen Fragen." Die "Mach- und Gestaltbarkeit der Welt" mittels technisch reifer Anwendungen erschienen in dieser Zeit vielerorts
unbegrenzt. Ingenieure eroberten sich neben juristisch vorgebildeten Beamten einen Anteil an der Verwaltung des Staates, im wissenschaftlichen Bereich war das Vordringen der Techniker ebenfalls unübersehbar.
Herbert Spencer, der Hauptvertreter der sogenannten organizistischen Soziologie, war gelernter Ingenieur. Von Haus aus studierter Ingenieur war auch der Italiener Vilfredo Pareto, Nationalökonom und Soziologe, der
eine Darstellung des gesellschaftlichen Gleichgewichts auf der Basis einiger weniger Konstanten und ihrer Zusammenhänge versuchte (Stichwort: Pareto-Optimum). Wie Spencer ging Pareto von einer "natürlichen
Ungleichheit" zwischen den Menschen aus; nach seiner Lehre unterteilt sich die Gesellschaft in eine "parteeletta", also in eine Elite, und in die Masse, die entsprechend gelenkt zu werden hat.
Wem konnte es näher liegen, gesellschaftliche und politische Bereiche nach Analogie einer Maschine aufzufassen, als dem Ingenieur? In dem Bestreben, aus dem Staat eine effizient fördernde Maschine zu machen, die
eine ernsthafte Arbeit abseits vom Tummelfeld der "Interessen und Begierden einzelner Stände und Parteien" ermöglicht, war es nur naheliegend, den Elitebegriff derart radikal in den Mittelpunkt zu
rücken.[4] Eine Rationalisierung des menschlichen Lebens, das ausschließlich von naturwissenschaftlichen und technischen Standpunkten aus betrachtet wurde, vertrug sich nicht mit politischen und sozialen Kämpfen;
die Funktionselite der Gesellschaft sollte ihren Verwaltungsaufgaben ungestört nachkommen können. Der Krieg erwies sich wieder einmal als der "Vater aller Dinge", als der erste große Weltenbrand des 20.
Jahrhunderts den Durchbruch des "social engineering" brachte: "Da Technik zunehmend besser in die soziale Welt eingebracht werden muss, je weiter sie sich ausdehnt und je komplizierter und
störungsanfälliger sie wird, haben Ingenieure ... damit begonnen, auch das Soziale Stück für Stück unter ihrer Perspektive zu behandeln: Zuerst in Taylorismus und Psychotechnik, dann in Ergonomie und modernen
Arbeitswissenschaften wurden menschliche Arbeit und Kooperation unter dem isolierten Gesichtspunkt der Körpertechnik und der Psychotechnik angegangen."[5] In seinem Buch "The Managerial Revolution"
beschreibt James Burnham das Abhandenkommen der strukturellen Gegebenheiten des Hochkapitalismus, den Bedeutungsverlust des Eigentümerunternehmers und den Aufstieg der Manager (Administratoren, Experten, leitende
Ingenieure, Produktionsleiter, Propagandaspezialisten und Technokraten).[6] Die im Rahmen von Wirtschaft und Verwaltung angewandten sozialtechnischen Verfahren dieser Gruppe, die in einem durchgängig
mechanistischen Denken und in einem deterministisch geprägten Weltmodell wurzeln, tragen das Bestreben in sich, menschliche Handlungs- und Beziehungsabläufe zu standardisieren, und den vermeintlich
technisch-ökonomischen Erfordernissen nahtlos anzupassen. Die Gesellschaft wird dabei als etwas Konstruierbares behandelt, als eine von übergeordneten Instanzen gelenkte, planorientierte zentralverwaltete
Gemeinschaft von Maschinenelementen. Ohne genaue Hinterfragung der technisch-ökonomischen Erfordernisse gelangen dabei immer nur jene Verfahren zur Anwendung, die dem Effizienzkriterium am meisten entsprechen,
wobei das Feld potenzieller Nebeneffekte nicht oder nur unzureichend zum Gegenstand der Betrachtung gemacht wird.
Der Prototyp eines neuartigen "system builder", wie ihn der Erste Weltkrieg
emporspülte, war der Industrieorganisator Walther Rathenau (1867- 1922). Rathenau leitete die Geschicke des gewichtigen Elektrokonzerns AEG, und er trat als Vorkämpfer der Rationalisierung der deutschen Industrie
hervor. Er war auch Direktor einer bedeutenden Investitionsbank und nebenbei machte er sich als Schriftsteller, der sich mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen auseinander setzte, bereits vor dem Ersten
Weltkrieg einen Namen.[7] Für Rathenau war die zweite industrielle Revolution ein goldenes Zeitalter, auf dem Höhepunkt seines Schaffens saß er bei 84 großen Konzernen entweder im Aufsichtsrat oder im Vorstand.
Rathenau zählte zu jener Spezies, die den Denker und den Praktiker vereinte, die als Financier und Organisator an der Schnittstelle von Technik und Wissenschaft, Wirtschaft und Staat ihre Aktivitäten entfaltete.
Vertraut mit den Prinzipien und der Funktion der damaligen Spitzentechnologie Stromwirtschaft und des modernen Managements, zeigte sich Rathenau überzeugt, dass die Technik eine revolutionäre Veränderung der Welt
in Gang gesetzt hatte. Vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen als Ingenieur, Wissenschaftler und Manager dachte und argumentierte Rathenau sehr stark orientiert an Fluss-, Kreislauf- und Netzwerkmetaphern; er
repräsentierte damit eine neue Form des kybernetischen Denkens. Die Mechanisierung, so war er überzeugt, werde die Welt zu einer "einzigen untrennbaren Wirtschaftsgemeinschaft" zusammenführen. Er rief
dazu auf, Rohstoffbeschaffung, Herstellung und Verbrauch in einem ununterbrochenen systematischen Fluss zu verbinden. "Dem Blutkreislauf vergleichbar, ergießt sich der Güterstrom durch das Netz seiner
Arterien und Adern. In jedem Augenblick des Tages und der Nacht donnern die Schienen, rauschen die Schiff- schrauben, sausen die Schwungräder und dampfen die Retorten, um die Last dieses Umlaufs zu erneuern und zu
bewegen."[8] Er übernahm die Vision einer kontinentalen allelektrischen Energieversorgung auf der Grundlage nur weniger Riesenkraftwerke. Die Organisation der Elektrizitätsunternehmer sollte das belieferte
Gebiet bedecken – "wie ein Spinnennetz: Von jedem Punkt soll eine gerade und gangbare Verbindung zur Mitte führen."[9] Rathenau selbst versuchte seinen Vorgaben gemäß zu handeln. Im Rahmen seiner
unternehmerischen Aktivitäten forcierte er vertikale und horizontale Fusionen von Betrieben. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges befand sich die AEG im Zentrum eines vernetzten Systems von Produktions-, Versorgungs-
und Finanzierungseinheiten wie zum Beispiel den Berliner Elektrizitätswerken, der Berliner Handelsgesellschaft und der Bank für Elektrische Unternehmen in Zürich. Im Weltkrieg konnte Rathenau seine Fähigkeiten
auf höchster Ebene zur Verfügung stellen. Im Jahr 1914 begann er mit dem Aufbau der Kriegsrohstoffabteilung im preußischen Kriegsministerium.
Die verschiedenen Grundüberzeugungen des technokratischen
Denkens, die sich zu Rathenaus Zeiten in den Führungsetagen der modernen Industriezweige etablierten, vermochte Rathenau jedoch nicht aus vollem Herzen zu teilen. Dazu hatte er sich bereits zu sehr mit
grundlegenden philosophischen und kulturkritischen Fragestellungen befasst. Er war überzeugt, dass die menschliche Seele angesichts des wachsenden technologischen Determinismus, der technikbedingt zunehmenden
Systematisierung und Kontrolle in den menschlichen Beziehungsabläufen zu kurz kommen müsse. Wie sehr er menschliche Beziehungen und Rituale durch die Mechanisierung gefährdet sah, brachte er etwa in seiner
Parodie auf das moderne Bestattungswesen zum Ausdruck. Ausgangspunkt der Erzählung war die Vorstellung, alle Begräbnisanlagen in den Vereinigten Staaten würden von der gigantischen "Resurrection
Company" beherrscht. "Sie hat Exklusivrechte zur Herstellung, Montage und Betrieb sämtlicher Bestattungsvorrichtungen im Land. Dieses Riesenmonopol ermöglicht es den Menschen, genau so begraben zu
werden, wie sie gelebt haben, nämlich im Zeichen der Massenproduktion. Das – patentierte – Begräbnisverfahren ist voll mechanisiert. Elektrokarren transportieren die Leichen in gleichmäßigem Tempo, während
aus einem Münzlautsprecher Worte des Trostes aus dem Munde der berühmtesten Redner englischer Zunge ertönen. Jede Phase des Begräbnisses ist zeitlich optimiert. ..."[10]
Die technokratische Bewegung in den USA und in Europa [Übersicht
]
Die Grundelemente des "social engineering" finden sich sehr erschöpfend dargestellt im klassischen Programm der
Technokratie, das mit dem Namen des amerikanischen Ökonomen und Soziologen Thorstein Veblen verknüpft ist. In seinem 1921 in New York erschienenen Buch "The Engineer and the Price System" vertrat Veblen
die These, dass das industrielle System im Großen (nun) wie ein in Betrieb befindlicher Konzern gedeutet werden müsse. Dessen Hauptagenten – im wesentlichen die technisch-wissenschaftliche Intelligenz und die
Manager – müssten daraus folgend nicht nur eine höhere gesellschaftliche Anerkennung erlangen, sondern auch angemessene, ja, die größte politische Macht zuerteilt bekommen.[11]
Nicht zufällig erfuhr
die erste technokratische Programmschrift ihre Ausformulierung in den USA. Nicht zufällig fand die aufstrebende Technokratiebewegung in den Vereinigten Staaten ihren Ausgangspunkt. Die nach dem Ersten Weltkrieg zur
Wirtschaftsmacht Nummer 1 aufgestiegenen USA wirkten für die übrige Welt sehr bald als riesiges Laboratorium und Zukunftsforum.
Mit der Veröffentlichung seines Manifests war Veblen auch zum entscheidenden
Impulsgeber des "technocratic movement" geworden. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg hatte Veblen begonnen, der zu diesem Zeitpunkt als Professor an der New School for Social Research in New York
wirkte, einen Kreis von Naturwissenschaftlern und Technikern um sich zu scharen. Ziel dieser Gruppe war es, gesellschaftliche Institutionen zu analysieren und das Modell einer rational organisierten Gesellschaft zu
entwerfen. Einer der Mitdiskutanten in dieser Gruppe war der junge Howard Scott, der in der Folge zur Zentralfigur der amerikanischen Technokratiebewegung werden sollte. Mit der Gründung der "Technical
Alliance" Anfang der 1920er Jahre ging Scott organisatorisch sehr bald eigene Wege. Scott und die "Technocrats" sahen ihre Aktivitäten in den Traditionslinien von Comte, der den Positivismus
entscheidend geprägt hatte, und von Leibnitz, der die Weltordnung als ein System von Differenzialgleichungen zu erfassen versucht hatte. "Die Technokratie ist eine Forschungsorganisation", sollte Howard
Scott später schreiben, "die 1920 gegründet wurde und aus Naturwissenschaftlern, Technikern, Physikern und Biochemikern besteht. Sie wurde in der Absicht gegründet, Daten über das physikalische
Funktionieren des sozialen Mechanismus in Nordamerika zu sammeln und in quantitativem Vergleich zu anderen Kontinenten die Verhältnisse unseres Weltteils und die Großartigkeit seiner Betriebsamkeit darzustellen.
Ihre Methoden sind das Resultat einer synthetischen Zusammenfassung der physikalischen Wissenschaften, soweit sie sich auf die Bestimmung aller funktionellen Folgerungen aus sozialen Phänomenen
erstrecken."[12]
Die Technokraten der 20er und 30er Jahre interpretierten ihren Ansatz als eine "Wissenschaft vom sozialen Körper", dessen Bewegungen auf Beziehungen meßbarer Größen
zurückgeführt werden sollten. Als konkrete Anliegen der Technokratiebewegung waren formuliert: 1. Schlechte Wirkungsgrade und Ressourcenverschwendung im bestehenden Wirtschaftssystem aufzudecken, 2. den
Bedarf an Rohstoffen und Arbeitskraft abzuschätzen, der zur Sicherung eines bestimmten Lebensstandards erforderlich ist, 3. das bestehende Produktions- und Distributionssystem auf seine Funktionsweise zu
untersuchen, 4. ein vollständiges Modell der Koordination von Produktion und Distribution auszuarbeiten.[13]
Im Verlaufe der Zwischenkriegszeit entstanden weitere technokratische Gesellschaften, die sich
über ganz Amerika verteilten. Die meisten schlossen sich der Führung der zwei rivalisierenden nationalen Organisationen in New York an, dem "Continental Comittee on Technocracy" (CCT) oder der
"Technocracy Inc.". Sehr bald schwappte die technokratische Welle auch über den Großen Teich nach Europa. Die in Leipzig, Wien, Brünn und Prag erscheinende Zeitschrift "Technokratie" trug im
Untertitel – analog zu Marx´ politischer Vorgabe "Proletarier aller Länder vereinigt euch!" – die Worte: "Wissenschaftler, Techniker aller Länder, vereinigt euch!". Die
Weltwirtschaftskrise, die von den Technokraten vorausgesagt worden war, verschaffte der Bewegung zu Beginn der 1930er Jahre einen zusätzlichen Aufwind. In Deutschland wurde 1932 die "Technokratische
Union" ins Leben gerufen. An der technischen Abteilung der Columbia University in New York durfte Howard Scott mit einem Stab von drei Dutzend Technikern an Krisenbewältigungsprogrammen und neuen
Gesellschaftsverwaltungsmodellen Hand anlegen. Die Resonanz auf die technokratischen Konzepte war bereits so groß, dass der "Österreichische Volkswirt", eine der damals führenden Fachzeitschriften im
deutschen Sprachraum, bereits von einer "Massenpsychose" sprach, die in den USA ausgelöst worden sei.[14]
Eine der drängendsten Fragen, die von den Technokraten in den Vordergrund gerückt
wurde, war die der Bevölkerungsentwicklung und ihrer Regulierung. Um den wachsenden Versorgungsansprüchen gerecht werden zu können, plädierten die Technokraten für eine "industrialisierte
Landwirtschaft": "Landwirtschaft ist heute nichts mehr und nichts weniger, als angewandte Chemie, Physik und Biologie, eine enge Verbindung von Technik und Soziotechnik, eine spezifische Industrie, deren
Ausübung ... große praktische Vorbereitung und Erfahrung voraussetzt."[15] Nicht nur für den landwirtschaftlichen Bereich versuchten die Technokraten einen Zusammenhang zwischen Bevölkerungstheorie und
Energiehaushalt herzustellen. Sie suchten insgesamt nach einer "Symptomatologie" der Gesellschaft, die die "Formeln und kausalen Gesetzmäßigkeiten der Populationsbewegung und der
Energiewirtschaft" erkennbar werden lässt, um so die "Struktur der Gesellschaft der Energiewirtschaft anzupassen." In der "Hochenergiewirtschaft" der Technokraten sollte die Nutzung der
Atomkraft eine prominente Rolle spielen.[16] Als eine eindeutige Zielvorstellung war auch der Aufbau einer Planwirtschaft formuliert: "Die höchste Aufgabe im modernen Forschen ist ..., die Grundlagen einer
wissenschaftlichen Wirtschafts- und Bevölkerungspolitik zu schaffen, also die Planwirtschaft und das Planleben zu ermöglichen."[17]
Die technokratisch organisierte Gesellschaft sollte auf zwei
Funktionseinheiten basieren, nämlich auf den beiden Komplexen Industrie (sämtliche Industriezweige, Transport und Nachrichtenwesen) und Sozialaufgaben (Ausbildung, Gesundheit usw.). Dazu waren fünf
Spezialeinheiten geplant: Forschung, Social Relations, Armee, Luftkontrolle und Auslandsbeziehungen. Die Direktoren aller Einheiten sollten die "Continental Control" bilden, die auch den "Continental
Director" zu bestimmen gehabt hätte.[18]
An die Stelle des konventionellen Geldes sollten "Energie-Zertifikate" treten, die – für eine Zwei-Jahres-Periode ausgegeben – eine annähernde Planung des Produktionszyklus ermöglichen sollten. Das verfügbare Einkommen – das für alle Gesellschaftsmitglieder eine einheitliche Größenordnung aufzuweisen gehabt hätte – wäre nach Abzug der Ausgaben für das Gemeinwesen zentral festgelegt worden. Ein zentrales Registriersystem sollte ferner alle Transaktionen festhalten, der Warenverkehr sollte so beständig optimiert werden.[19] Als Basis der projektierten Energiewährung waren allerdings nicht mehr Edelmetallbestände, sondern die "Erzeugung eines Wirtschaftsgebietes" vorgesehen.[20]
Das menschliche Individuum kam in der Vorstellungswelt der Technokraten nur mehr als eine "Kraftmaschine" vor. Wesentlich waren die Begriffe der "Menschenökonomie", die sich mit der
Einfügung des Einzelwesens in die Gemeinschaft beschäftigte, und der "Soziotechnik", die als eine Technik des organisierten Menschenlebens aufgefasst wurde.[21] Während die Technokraten in den 1930er
Jahren vielerorts noch von einer "Verbesserung der Rasseeigenschaften" mittels "eugenischer Beeinflussung" und von einer Verhinderung der Fortpflanzung "Minderwertiger" träumten,
machte sich der Verrückte aus dem oberösterreichischen Braunau bereits an die praktische Umsetzung der Vorschläge, die – nota bene – den Kern "technokratischer Lebensplanung" bilden sollten. Eine
perfekt organisierte Gesellschaft ist immer auch auf das perfekte Material "Mensch" angewiesen.[22] In der sicheren Gewissheit, dass die anstehenden Probleme weder demokratisch, noch von einer
"Theokratie" noch von einer "technikfreien Juristokratie" gelöst werden könnten, plädierten die Technokraten für eine "neue Führerrasse", die im Interesse des Bestandes der
Zivilisation sich aus den "führungsbefähigten Wissenschaftlern und Technikern heranbilden" muss, und die sich rein an Verwaltungserfordernissen orientiert.[23]
Technokratie, Nationalsozialismus und Kommunismus [Übersicht]
Die Kritik an den
technokratischen Konzepten fiel dort, wo sie geübt wurde, heftig aus. Der "Österreichische Volkswirt" vermisste fundierte ökonomische Kenntnisse bei den Technokraten; sie seien "trotz mehrmaliger
Anmeldung ihrer diesbezüglichen Ansprüche noch immer nicht Lenker des amerikanischen Wirtschaftslebens geworden, sondern in sozialer Hinsicht völlig verantwortungslose Naturwissenschaftler und Stubengelehrte
geblieben ..., die mit der Gesellschaft hemmungslos experimentieren zu können glauben."[24] Die Zweifel am Gelingen einer gesamtgesellschaftlichen Steuerung waren sicher mehrfach begründet. Thematisiert
wurden bei der Kritik an den Technokraten vor allem deren Demokratiefeindlichkeit oder die irrige Annahme, mit einer bloßen verbalen Betonung des Gemeinwohls jede Sozialpolitik bereits ersetzen zu können. Es
bleibt schwer vorstellbar, umfassende gesellschaftliche Probleme modellhaft so abzubilden, dass man alle Möglichkeiten ihrer Bewältigung durchzuspielen vermag. "The best one way", den die Technokraten in
ihren Konzepten postulierten, wird daher im Normalfall im Bereich der Illusionen bleiben.
"Als Gesellschaftsmodell war das Konzept der Technokraten unbrauchbar", urteilt Gisela Klein in ihrer
differenzierten Einschätzung, "auf die Produktions- und Distributionsindustrie hat es jedoch nachhaltig eingewirkt."[25] Aber nicht nur das: Obwohl die Technokratie in den Augen ihrer Proponenten weder
eine Nähe zum Faschismus noch zum Kommunismus aufweisen sollte, waren die Ausstrahlungseffekte auf beide Systeme beachtlich. Burnham zeigt sich überzeugt, dass das Konzept der totalen Gesellschaftsverwaltung in
den totalitär regierten Staaten seine "Gehschule" gefunden hat, bevor es im Zuge des Geschehens des Zweiten Weltkrieges auch die demokratisch regierten Länder zu erfassen begann.[26] Karl Heinz Ludwig
beschreibt in seiner Studie "Techniker und Ingenieure im Dritten Reich" die problematische Gesinnungslage der technischen Intelligenz in Deutschland, die eindeutige Parallelen zwischen soziotechnischen und
faschistischen Denkmustern offenbart (z. B. Elitenkonzeption). Der Existenzialist Martin Heidegger war jener deutsche Philosoph, der in der NS-Zeit die gesellschaftliche Bedeutung der technologischen Entwicklung zu
thematisieren begann. Dass er in der Epoche des Faschismus auf die Technologie stieß, war keineswegs zufällig. Der historische Prozess verlief so, dass die gesellschaftlich formierende Kraft des Technologischen
mit dem und im Faschistischen erstmals richtig spürbar wurde.[27] So häufig sich das NS-Regime auf überkommene Werthaltungen im Zusammenhang mit einer "Blut und Boden"-Gesinnung berief, so sehr setzte
es in der Realität auf die Errungenschaften eines modernen Technosystems. Die auf der Basis einer aggressiven Außenpolitik gedeihende Kriegsindustrie und die aus dem nationalen Autarkiestreben resultierende
Ersatzstoffbewirtschaftung hätten auch gar keinen anderen Weg offen gelassen. Das Regime schaffte es, mit einer Perfektionierung der Arbeitswissenschaften und der Sozialplanung die betriebliche und
gesamtgesellschaftliche Rationalisierung voranzutreiben. Zum Einsatz kamen dabei die neuesten Methoden der Menschenführung und der Massenmanipulation. Der "Volksempfänger" sollte auch den entferntesten
Winkel des Reiches für die Propagandatrommel des totalitären Regimes erreichbar machen.[28]
In der Sowjetunion war die Durchdringung der Gesellschaft mit technokratischen Strukturelementen nicht weniger
stark gegeben. Die UdSSR war in den Prozess der Industrialisierung hineingegangen, ohne auch nur annähernd über ausreichendes Führungspersonal zu verfügen. In personeller Hinsicht begann sie den Aufbau der
Industrie gleichsam vom Nullpunkt aus, als 1928 der erste Fünfjahresplan anlief. Die Ausbildung von Technikern hatte in der Phase von Stalins Industrialisierungsprogramm klaren Vorrang gegenüber der Herausbildung
von Wirtschaftsfachleuten oder Juristen. Zahlenmäßig stieg die Diplomierung fertiger Ingenieure von 11.000 im Jahr 1928 auf 54.000 im Jahre 1954 an. Bereits Mitte der 1950er Jahre war die UdSSR mit der Zahl ihrer
technischen Fachleute an den Technikerbestand in den USA herangekommen. Der technokratische Funktionärstyp, der die Sowjetgesellschaft so nachhaltig prägen sollte, war somit ein eindeutiges Produkt der Politik
Stalins.[29]
Die Ideologie der Technokratie nach 1945 [Übersicht]
Die ursprüngliche
technokratische Intention kann heute mit Sicherheit als gescheitert angesehen werden. Aber, und hier ist Jürgen Habermas zuzustimmen, sie dient noch immer als Ideologie für die an technischen Aufgaben
ausgerichtete Politik. Und diese Ideologie trägt "gewisse Entwicklungstendenzen, die zu einer schleichenden Erosion dessen, was wir institutioneller Rahmen genannt haben, führen können. Die manifeste
Herrschaft des autoritativen Staates weicht den manipulativen Zwängen der technisch-operativen Verwaltung."[30] Der Prozess einer "Rationalisierung von oben" lässt sich nach Habermas bis zu jenem
Punkt verfolgen, "an dem Technik und Wissenschaft selber in der Gestalt eines positivistischen Gemeinbewusstseins – und als technokratisches Bewusstsein artikuliert – den Stellenwert einer Ersatzideologie
für die abgebauten bürgerlichen Ideologien zu übernehmen beginnen."[31] Eine Immunisierung der technokratischen Hintergrundideologie gegen etwaige Infragestellungen lässt sich aber nur um den Preis einer
Entpolitisierung der Masse der Bevölkerung aufrecht erhalten.[32] Dort, wo die technischen Sachzwänge und die Vorgaben der Verwaltung überwiegen, muss Politik sinnlos erscheinen.
Ideologien beziehen sich
einerseits auf den Versuch, objektiven Tatsachen eine ganz bestimmte Deutung zu geben, andererseits auf Zielsetzungen, die sowohl die gesamte Gesellschaft als auch ihre Teilbereiche erfassen. Kurz zusammengefasst
können Ideologien als Gedankengebilde bezeichnet werden, "die neben echten wissenschaftlichen Einsichten ... Bewertungen, Normen, Handlungsappelle und Zukunftsprophezeiungen enthalten, denen das Mäntelchen
theoretischer Einsicht umgehängt wird."[33] Dieser Aspekt wird deshalb so hervorzuheben sein, da die Technokratie in der gegenwärtigen westlichen Kultur unzweifelhaft noch immer als Ideologie verankert ist.
Typologisch lässt sich dieses Technokratentum anhand folgender Behauptungen charakterisieren: 1. Es gibt keine originären gesellschaftlichen Entscheidungen und Handlungen, sondern nur den Nachvollzug von
Sachgesetzlichkeiten. 2. Über die wechselseitige Internalisierung von Rollenerwartungen hinausgehend sind Subjekte aus der Selbstdeutung moderner Gesellschaften verbannt.
3. Ethik und Politik lassen sich auf "Technik" reduzieren. 4. Die effektive Technik hat die reflexive und deshalb "langsame" Aufklärung überholt.
So zugespitzt charakterisiert wird
eine Theorie des Technokratentums nur ausnahmsweise vertreten, ist dieselbe doch dem latenten Verdacht der Selbstwidersprüchlichkeit ausgesetzt, da eine unterstellte Richtigkeit des Technokratentums eine
zugehörige Theorie in praktischer Hinsicht obsolet macht. Deshalb handelt es sich im Normalfall um eine Position, die von Personen der (sogenannten) Praxis in Politik und Wirtschaft einfach als wahr akzeptiert
wird. Insofern hat die technokratische Ideologie für Praktiker und Praktikerinnen häufig auch die Funktion, eingespielte Gewohnheiten als unabänderlich zu rechtfertigen.[34]
Die soziale Rolle und
Wirksamkeit der Technokratie-Ideologie kann aber auch in Analogie zur "selffullfilling prophecy" beschrieben werden: "Als Darstellung einer nicht existierenden, aber von 'Technikern' gewünschten
Gesellschaft und als eine von Politikern, Wählern und Technokraten für wahr gehaltenen Beschreibung gegenwärtiger politischer Verhältnisse verändert und beeinflusst sie die gegebenen Machtverhältnisse
zugunsten der Technokraten. Die Einführung und Verbreitung der Technokratie-Hypothese trägt entschieden zur Ausweitung der technokratischen Tendenzen bei. Ihr wirksamstes Instrument in der politischen
Auseinandersetzung ist die Behauptung, politische Probleme ohne Ideologie zu behandeln und zu lösen. Aber genau durch diese Unterstellung verrät sie sich als politische Ideologie: Wer vorgibt, politische Probleme
ohne Ideologie zu behandeln, zeigt durch diesen Anspruch ... dass er selbst die herrschende, die technokratische Ideologie angenommen hat."[35]
In der Zeit nach 1945 hat der Technokratiebegriff eine
weitere Qualität hinzugewonnen. Mit dem Terminus der Technokratie kann der Gesamtzustand der Gesellschaft skizziert werden, der Zustand einer erstarrten, nach festgefügten Regeln funktionierenden, auf maximale
Effizienz angewiesenen Gesellschaft. Der Technokratiebegriff versucht das zu umschreiben, was Adorno als "verwaltete Welt" bezeichnet hat und was Habermas den Drang nach "Erweiterung unserer
technischen Verfügungsgewalt um jeden Preis" nennt.[36] Die in den 1960er Jahren einsetzende Technokratiedebatte versuchte den neuen strukturellen Gegebenheiten in Wirtschaft und Gesellschaft auf den Grund zu
gehen. Auslöser dieser Diskussion war Helmut Schelkys 1961 erstmals veröffentlichte Apotheose des technologischen Determinismus "Der Mensch in der technischen Zivilisation".[37] Schelsky richtete seinen
Blick auf die hochkomplizierten Sachgesetzlichkeiten des technoökonomischen Systems, die bei politischen Aufgaben angeblich alternativlose Lösungen vorschreiben: "Anstelle der politischen Normen und Gesetze
(treten) Sachgesetzlichkeiten der wissenschaftlich technischen Zivilisation, die nicht als politische Entscheidungen setzbar und als Gesinnungs- oder Weltanschauungsnormen verstehbar sind. Damit verliert auch die
Idee der Demokratie sozusagen ihre klassische Substanz: An die Stelle eines politischen Volkswillens tritt die Sachgesetzlichkeit, die der Mensch als Wissenschaft und Arbeit selbst produziert."[38] Analog zu
dieser Hauptthese entwickelte Schelsky weitere Gedankengänge, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: 1. Staat und Technik durchdringen einander zum technischen Staat. 2. Weil im technischen Staat die
Mittel die Ziele bestimmen, weil alleiniges Ziel die Perfektionierung der Mittel ist, wird Herrschaft durch Sachzwang ersetzt. 3. Wenn Sachgesetzlichkeiten die Herrschaft von Menschen über Menschen ersetzen,
bedeutet Technokratie nicht länger die Herrschaft der Techniker, sondern Herrschaft des technischen Sachzwanges, dem auch die Experten unterliegen. 4. In der technischen Konstruktion künstlicher Realität
entwickelt der Mensch ein neues Verhältnis zur Welt. 5. In dieser gemachten, artifiziellen, technischen Welt hat der Mensch keine Möglichkeit mehr, Ziele zu setzen, die über die technischen Mittel
hinausreichen, da er sich in der Produktion von Wissenschaft und Technik selbst als technischer Mensch reproduziert.[39] 6. Die Fundamente der Legitimität haben sich grundlegend gewandelt, da die moderne Technik
keinerlei Legitimität bedarf. Die Technik allein leistet die entscheidenden Vorgaben, "wenn sie funktioniert und so lange sie optimal funktioniert".[40]
Auf Schelskys These von der
Eigengesetzlichkeit des technischen Fortschritts folgten heftige Reaktionen. Jürgen Habermas warf Schelsky vor, mit der Betonung des immanenten Sachzwanges verfügbarer Technologien die Interessenkonstellationen,
die ja in der Gesellschaft nach wie vor gegeben seien, zu verschleiern. Und Otto Hortleder urteilte: "Die Faszination und die Gefährlichkeit dieses Denkmodells liegt in seinen Irrtümern. Schelskys
resignativer Beitrag zur modernen Kulturkritik sagt uns nichts über die gesellschaftliche Wirklichkeit, er ist mehr einer der konsequentesten Entwürfe zur Flucht aus dieser Wirklichkeit. Für den Einzelnen bleibt
keine Einflusssphäre, die Möglichkeiten individuellen Versagens werden geleugnet, Entscheidungen überflüssig ... . Schelsky gibt sich nicht mehr mit dem zweifellos bescheidenen Anspruch zufrieden, das zu
beschreiben, was ohnehin geschieht; er liefert die Rechtfertigung, warum es nur so und gar nicht anders sein kann, gleich mit."[41] Während Schelsky also die Entwicklung so gedeutet hatte, als kapituliere die
Politik vor dem technischen Sachzwang, reklamierten kritische Beobachter umgekehrt die demokratische Souveränität der Forschungs- und Technologiepolitik und deren gezielte Anbindung an menschliche Bedürfnisse und
gesellschaftliche Werte.
Die soziale Realität hat die Grenzen des Erklärungsmodells Schelskys bereits gezeigt. Gegen die Erfassung und Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche durch technische Großsysteme,
gegen die wachsenden Risken der Technologieentwicklung hat sich in den vergangenen Jahren ein zunehmend wachsender sozialer Widerstand formiert. Keineswegs ist es so, dass eine über technische Vorgaben vermittelte
"Tugend der Anpassung" rundweg gesellschaftliche Akzeptanz findet. Die Fernsehbilder zu den Auseinandersetzungen um die Atommülltransporte in Deutschland sind zweifellos in lebhafter Erinnerung. Die
Kritik richtet sich heute vor allem gegen den Glauben, dass technische Machbarkeit und mathematische Berechenbarkeit Garanten für die Kontrollierbarkeit von Prozessen darstellen, und gegen die Annahme, dass von
einer Zuverlässigkeit von Modellen, und seien sie am Hochleistungscomputer erzeugt, ausgegangen werden kann.[42]
Die Technokratiedebatte ist aber noch keineswegs an ihrem Schlusspunkt angelangt. James
Burnhams Prognose, nach der die Gesellschaft zunehmend von einer Managerelite in Wirtschaft und Politik verwaltet werden wird, hat sich als durchaus richtig herausgestellt. In dem Bestreben, die gesamte Gesellschaft
auf Perfektion zu trimmen, auf "immer schneller, immer höher, immer besser" auszurichten, um sie damit auf einen Hochleistungspfad zu bringen, wird heute allerdings nicht mehr auf die Rezepte der
Technokraten der Zwischenkriegszeit zurückgegriffen. Gegenwärtig soll das Wirken der Marktkräfte als impulsgebendes Moment auf allen Ebenen genutzt werden. Gesellschaftsverwalter – darunter Betriebswirte
und Wirtschaftsingenieure in noch nie da gewesener Anzahl –, etabliert in demokratisch nicht legitimierten Institutionen, sorgen in der globalisierten Welt dafür, dass niemand und kein Bereich vom kalten Wasser
des durch Monopole und Oligopole kapitalistisch verzerrten Wettbewerbs verschont wird. Aber allein die Schlagworte, die den "neoliberalen" Umbau der Welt zur Jahrtausendwende begleiten, verraten sie.
Auf der Suche nach den Wurzeln des heute so häufig strapazierten Begriffs "Flexibilität" etwa wird deutlich, dass diese Wortschöpfung sich ursprünglich auf Materialien bezog, die sich
"flektieren", das heißt biegen oder beugen lassen bzw. geschmeidig sind. Erst im 20. Jahrhundert wurde der Begriff auf den Menschen übertragen – im Sinne von "anpassungsfähig" und
"wendig". Es zeigt sich also, dass auf eigentümliche sprachliche Weise die Übertragung von Eigenschaften der Materie auf den Menschen stattgefunden hat.[43] "'Flexibilität' ist das Zauberwort des
globalen Kapitalismus. Nicht nur Unternehmer, auch der Arbeitnehmer muss ständig bereit sein für Veränderungen, muss immer aufs Neue wagen und gewinnen ... Wo nur das immer Neue gefragt ist und keine Routine
entstehen darf, werden langfristige Bindungen unmöglich. Beruf, Wohnort, soziale Stellung, Familie, alles ist den zufälligen Anforderungen des Wirtschaftslebens unterworfen, das eigene Leben wird zum ziellosen und
undurchschaubaren Stückwerk. Nicht Freiheit ist also das Ergebnis, sondern ein tiefes Gefühl der Ohnmacht, der Isolation und der Sinnlosigkeit."[44] "Flexibilität" wird heute als normatives
Produktionserfordernis durchgesetzt. Echte Individualität und Authentizität werden unter diesen Bedingungen zum Verschwinden gebracht: "Ein flexibles Individuum entscheidet nicht darüber, was es sein oder
nicht sein will. Ein flexibles Individuum flektiert ..." und sonst nichts![45]
Kapitalkonzentration und Technokratie [Übersicht]
Bei alledem sollte nicht außer
Acht gelassen werden, dass die "technologische Formation" (Heinz Hülsmann) der Gesellschaft – so wie sie in der Neuzeit erkennbar wird – auch etwas mit Ökonomie, i. e. S. etwas mit den
Kapitalverwertungsbedingungen zu tun hat. Sie hat damit mehr zu tun als in bisherigen Diskursen über die Technokratie gesehen wurde.
Otto Ullrich weist auf den Zusammenhang von "ökonomischer
Vernunft" (Logik des Kapitals) und "instrumenteller Vernunft" (naturwissenschaftliche Logik) hin und bezeichnet ihn als "strukturelle Affinität", womit gemeint ist, "dass beide
Bereiche zur vollen Entfaltung ihrer eigenen Logik den jeweils anderen Bereich benötigen und suchen."[46] Der technologische Sektor alleine kann also nie für einen Modernisierungsschub maßgeblich sein. Eine
Ideologie wie die des Technokratentums hängt damit nicht in einem luftleeren Raum – sie hat eine beinharte materielle Grundlage. Es ist davon auszugehen, dass die Ansprüche des Kapitals auf jedem neu erreichten
Produktionsniveau nur mit Hilfe der Wissenschaft befriedigt werden können. "Dazu muss die Ingenieurwissenschaft nicht gezwungen werden, sie ist von sich aus daran interessiert, die Perfektion der Maschinen zu
erhöhen und neu entdeckte Prozesse in Industrieapparaturen zu vergegenständlichen."[47] Ökonomische Akkumulationsorientiertheit, technologischer Fortschritt und Ideologie hängen damit eng zusammen – wobei
entsprechend den Bedingungen des modernen Finanzkapitalismus dem Geld eine Schlüsselrolle zufällt.
Die Realität der Wirtschaft entspricht nicht nur deshalb nicht der klassischen Idee der
"vollkommenen Konkurrenz", weil sie kein mechanisches Uhrwerk ist, als das die (neo-) klassischen Ökonomen sie fälschlicherweise ansahen. Hinzu kommt, dass das universal liquide und damit auch flexible
Geld die strukturelle Macht hat, die Tausch- und Kreditbeziehungen zeitweise als "passive Nachfrage" zu blockieren oder sich durch den Zins und Zinseszins tendenziell bis ins Unendliche zu vermehren, so
dass sich durch die Wiederanlage der wachsenden Geldvermögen auch die Realkapitalien marktbeschränkend in den Händen von Großunternehmen konzentrieren. Aufgrund seiner (potenziell) zeitweisen Passivität und
seines Ausweichens in die Spekulation und auch aufgrund seiner Tendenz zur Geld- und Sachkapitalkonzentration erfüllt das Geld seine Aufgaben als Informationsübertragungsmittel der Märkte nur sehr unzureichend,
so dass neben dem vermeintlichen "Preismechanismus" sowohl in der Privatwirtschaft als auch beim Staat ein großer Bedarf an bürokratischer Regelung entsteht, die sich auch mit Informations- und
Kommunikationstechnologien nur unzureichend bewältigen lässt. So erweist sich die Technokratie letztlich auch als ein von der strukturellen Macht des Geldes begünstigter Bestandteil eines marktwirtschaftlichen
Prinzipien abholden Monopolkapitalismus. Dieser untergräbt sowohl die Freiheit als auch die Demokratie als die beiden Grundwerte der westlichen Moderne, was die Frage nach einer "anderen Moderne"
aufwirft, in der sich Freiheit und Demokratie besser entfalten können.
Suche nach einer anderen Moderne [Übersicht]
Der österreichische
Nationalökonom Leopold Kohr [48] differenziert in seiner Analyse der Herausbildung des modernen Wirtschaftssystems zwischen drei unterschiedlichen historischen Entwicklungsstufen. Die erste Stufe, das
vorindustrielle Zeitalter, war im Wesentlichen von landwirtschaftlichen Zyklen bestimmt. Die Probleme, die sich daraus ergaben, waren zwar vorhersehbar, aber schwer lösbar. Die Bevorratung von Lebensmitteln reichte
oft nicht, Hungersnöte zu verhindern. In der zweiten Stufe, in der Phase der sich ausbreitenden Industrialisierung, waren die Betriebseinheiten noch nicht besonders groß, Schwankungen der Wirtschaft hielten sich
in Grenzen. In dieser Phase kam das Motto auf: Die ökonomischen Abläufe dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen! Die dritte Entwicklungsstufe war von der wachsenden Größe sozialer Einheiten geprägt und
von zunehmenden Ungleichgewichten im sozioökonomischen Geschehen. In dieser Phase – von Wirtschaftshistorikern häufig als "organisierter Kapitalismus" bezeichnet – setzte ein verstärkter staatlicher
Interventionismus ein. Die Lenkungsmaßnahmen führten zu einer Entgrenzung des ökonomischen Sektors, damit zu neuen Problemen (etwa vermehrten Steuerungsschwierigkeiten), hinter denen die staatliche Lenkung aber
zusehends hinterher zu hinken begann. In dieser Situation befinden wir uns im Wesentlichen heute.
Die Bewältigungsansätze, die diese Krisensituation zum Ausgangspunkt haben, sind sehr unterschiedlich
gelagert. Der sogenannte Neoliberalismus plädiert für eine Rückbesinnung auf die Marktkräfte. Was mit öffentlichem Zutun nicht gelöst werden kann, soll das freie Spiel von Angebot und Nachfrage erledigen –
lautet die verbreitete Hoffnung. Der Nachweis allerdings, dass mit der Hinwendung zu marktpopulistischen Lösungsmodellen tatsächlich in irgendeinem Bereich etwas verbessert werden konnte, wurde bisher nicht
erbracht. Die zunehmende Krisenhaftigkeit und Unsicherheit in allen Teilen der Welt, das sich verstärkende soziale Vakuum, die Einschränkung der Handlungsmöglichkeiten des einzelnen usw. bergen nicht zuletzt die
Gefahr in sich, einem neuen Irrationalismus Vorschub zu leisten.
Unter anderen hat Hans Jonas in seinem Buch "Das Prinzip Verantwortung" darauf hingewiesen, dass Krisenzeiten immer auch Zeiten
sind, in denen sich Ersatzwissen und Aberglauben besonders rasch verbreiten.[49] Dem in den letzten Jahren immer erkennbarer gewordenen Zusammenhang von Ökologiedebatte einerseits und antirationalistischer,
vermeintlich ganzheitlicher "New Age"-Szene andererseits bedarf daher einer uneingeschränkten analytischen Aufmerksamkeit. Als besonders populärer Theoretiker einer esoterisch angehauchten
Alternativströmung gilt Fritjof Capra mit seinen "Bausteinen für ein neues Weltbild".[50] Capra sieht den Weg einer allgemeinen Erlösung in der Hinwendung zu einem "ganzheitlich-
ökologischen" Denken, wobei er Konzepte alter Mystiker den "mechanistischen" Vorstellungen Descartes‘ und Newtons gegenüberstellt. Die heutigen Krisenerscheinungen, von der Arbeitslosenentwicklung
über die zunehmende Knappheit von Energieressourcen bis zur Umweltzerstörung sind für Capra ausschließlich die Folgen der mechanistischen Begrifflichkeit, die durch ein neues Weltbild zu ersetzen sei. Capras
Welterlösungsmodell ist ein äußerst gelungenes Beispiel für den extremen Ausdruck eines subjektivistischen "New Age"-Bewusstseins, das in der Änderung der privaten Gesinnung vor allem der Wert- und
Funktionseliten der Gesellschaft automatisch eine Lösung der Weltprobleme sieht. Durch eine neue Sicht der Dinge soll sich angeblich die Wirklichkeit verändern. Die Beimessung eines solch hohen Stellenwertes, den
das "Private" bei Capra erhält, führt zwangsläufig dazu, dass differenzierte Überlegungen zu einer Einzelfallbeurteilung oder zu einer Technikfolgenabschätzung im öffentlichen Raum in seinem Konzept
keinen Platz erhalten.
Capras Werk zeigt auch exemplarisch, wie stark heute die Termini "ökologisch", "ganzheitlich" und "neu" miteinander in Verbindung gebracht werden. Das zu
schaffende "ganzheitliche Naturverständnis" stellt Capra als ein neues Paradigma vor, das als "antireduktionistisch" zu begreifen sei. In diesem Punkt ist Capra inhaltlich ebenfalls nicht
überzeugend: Nicht nur, dass er den Paradigmenbegriff leichtfertig verwendet, auffallend bleibt, dass ein Autor, der gegen den naturwissenschaftlichen Reduktionismus angetreten war, mit seiner Kombination von
fernöstlicher Religion und Quantenphysik beliebig verfährt und damit selbst auf abenteuerliche Abwege gerät, die letztlich nur in eine andere Form des Reduktionismus hineinführen können.
Gegenüber allen
Mystifizierungsversuchen und gegenüber allen Ansätzen einer Verbindung von Ökologie und Ganzheitlichkeit muss festgestellt werden, dass die Ökologie eine ganz normale wissenschaftliche Unterdisziplin der
Biologie darstellt, welche die Beziehungen zwischen Lebewesen und ihrer jeweiligen Umwelt untersucht. Ob die Ökologie überhaupt sinnvollerweise mit dem Terminus der Ganzheitlichkeit konnotiert werden kann, muss
bei nüchterner Betrachtung als sehr fragwürdig angesehen werden. Als wissenschaftliche Disziplin arbeitet der Bereich der Ökologie mit dem Versuch, Umweltverhältnisse zu operationalisieren, genau so wie andere
Wissenschaften mit theoretischen Ansätzen, Modellen und begrifflich abgeleiteten Erschließungen der Wirklichkeit. Mit ganzheitlichem "New Age"-Gemurmel hat die Ökologie als Wissenschaft in keiner Weise
etwas zu tun.[51]
Capras Werk ist nicht zuletzt ein herausragendes Beispiel für eine Grundhaltung, in der die Kritik an der technischen Zivilisation eine rückwärts gewandte Schlagseite bekommt. Aus den
Inhalten zahlreicher populärer und halbpopulärer Darstellungen, in denen die Umweltveränderungen, die kulturelle Überformung der Lebenswelt durch die kapitalistische Rationalität und durch die Formen moderner
Technik beklagt werden, lässt sich sehr häufig eine ganz bestimmte Tendenz herauslesen: Das Heil sei nur in einer Rückkehr zu einer historischen Wegscheide zu sehen, an der die Wiederherstellung geschlossener,
identischer sozialer Strukturen möglich wird. Man braucht nicht lange herumzurätseln, ob damit etwas anderes als die vormoderne Epoche gemeint ist, in der angeblich noch eine "organische" Einheit von
Natur und Mensch, von Individuum und Gemeinschaft bestanden habe.
Herbert Gruhl war einer der ersten innerhalb des "umweltengagierten" Spektrums, der die Effekte der Modernisierung unter dem
Blickwinkel eines konservativen Zivilisationskritikers beschrieb. Das Hauptmerkmal des neoromantisch-konservativen Denkens – wie ich es hier bezeichnen möchte – ergibt sich daraus, dass nicht nur die Sorge um
den Weiterbestand der Umwelt und ihrer Ressourcen formuliert wird, sondern dass mehr oder minder nahtlos in "kulturkritische" Argumentationsmuster übergegangen wird. Hauptangriffsziel dabei ist auffallend
häufig die "Masse". Als Konsequenzen der zunehmenden "Vermassung" seien die Chancen zur Entfaltung der Persönlichkeit gesunken. Die Individuen würden zu unselbständigen Gliedern des
Industriesystems, zu außengeleiteten und eindimensional ausgerichteten Spezialisten, wobei zudem die Lebenswelt des Menschen einem rapiden ästhetischen Verfall ausgesetzt sei.
Entscheidend ist in dieser
Argumentation, dass "Masse" immer nur die anderen sein können. Nur wer dem Glauben anhängt, dass er der Masse nicht zugehörig ist, kann Kritik an ihr üben. Doch gerade diese Position wird durch den
Prozess der Fortentwicklung der Massengesellschaft zunehmend unglaubwürdiger, absurder. Spätestens wenn der Zivilisationskritiker zur Kenntnis nehmen muss, dass er selbst auch nur ein Teil der Masse ist, muss er
seine Einwände aufgeben oder zu einer ausweglosen Selbstkritik übergehen.[52] Da eine solche Selbstreflexion im Normalfall unterbleibt, ist der Übergang in autoritäre Denkgebilde zumeist eine logische
Konsequenz. Die von "falschen Bedürfnissen" geplagte Masse soll wieder "regierbar" gemacht werden. Es ist auffällig, wie viele Propheten einer "Wendezeit" das Heil nicht von der
Lernfähigkeit und der Einsicht der Gesellschaft, sondern wieder vom Handeln einer Elite abhängig machen wollen. Der ins ökoautoritäre Lager abgedriftete Philosoph Rudolf Bahro plädierte in seiner Schrift
"Logik der Rettung" für ein "anderes, neues 1933" und für ein charismatisches "Führertum"! "Nötig wäre ein Mann", schreibt er, "der Gerechtigkeitsempfinden,
Nächstenliebe und Mut besitzt. Er müsste Diktator sein, um Reformen durchzusetzen, die demokratischen Systeme bieten keinerlei Hoffnung mehr."[53] In einem "Spiegel"-Interview wurde Fritjof Capra im
Jahre 1984 von seinen Gesprächspartnern gefragt: "In sämtlichen modernen Gesellschaftsentwürfen steht der handelnde Mensch im Mittelpunkt. Die Geschichte wird von den Menschen gemacht ... . Bei ihnen aber
soll sich der Mensch unterordnen unter die mächtigen Gesetzesstrukturen der Natur und des Kosmos." Capras kurze Antwort: "Da haben sie mich richtig verstanden."[54]
Auf dem ersten
internationalen Kongress zum Thema "Ganzheitliches Management" in Salzburg 1990 ließ einer der Hauptvortragenden, ein österreichischer Spitzenmanager, die Katze aus dem Sack: "Eine ganzheitliche
Lebensführung," so meinte er, "setzt die Akzeptanz einer höchsten Autorität voraus. Vor dieser muss alles verantwortet werden können."[55] Nicht immer sind die Bekenntnisse derartig offenherzig.
Die Methoden der Menschenführung und der Psychotechnik sind heute weit genug entwickelt, dass Herrschafts- und Machtansprüche säuberlich verschleiert werden können. Die Esoterik-Päpstin Marilyn Ferguson bringt
es in ihrem Bestseller "Die sanfte Verschwörung" so auf den Punkt: "Der beste Führer ist der, der das Verhalten der Menschen verändert, ohne dass sie es merken."[56]
Libertäre Demokratie [57] statt Technokratie [
Übersicht]
Kommen wir zum Abschluss der Diskussion zur
Darstellung einiger Denkansätze, die sich sowohl jenseits eines vom technokratischen Fortschrittsglauben vorgegebenen Weges als auch jenseits einer Elitenbildung unter öko-autoritärem Vorzeichen befinden. Das
Problem liegt heute nicht darin, wie eine mit mehr oder weniger Zukunftsverantwortung ausgestattete Elite hervorgebracht werden kann, sondern darin, welche Möglichkeiten echten Lernens und Partizipierens in der
Gesellschaft durchgesetzt werden können. Jede demokratische Entwicklung hat zur Voraussetzung, dass die Mitglieder der Gesellschaft uneingeschränkt die Chance erhalten, nach und nach ihre Einsichten zu sammeln und
gestalterisch in das soziale/ökonomische Leben einzugreifen. Es hat zweifellos etwas mit der Zurückeroberung des Primats der Politik zu tun, wenn die ökonomische und politische Macht aus der Konzentration in den
Händen einer Minderheit auf alle umverteilt wird. Die Ausweitung und breite Streuung der politischen Kompetenzen sowie der Einflussmöglichkeiten auf alle Gesellschaftsmitglieder verhindert das Entstehen einer
oligarchischen Herrschaftsform und schränkt technokratische Tendenzen ein. Eine Politik der Teilhaberechte setzt an die Stelle von Machtkonzentration Organisationsformen der Selbstverwaltung, geprägt von
Pluralismus und Respekt gegenüber der Opposition. Bestehen als Hauptzielsetzungen dabei die demokratische Kontrolle des technischen Systems und ein allmählicher Übergang von lebensfeindlichen (Groß-)Technologien
zu "sanfteren" angepassten Technologien, so werden auch wohlstandsmindernde Effekte zu vermeiden sein. Das Konzept einer "Anderen Moderne" folgt nicht einer Technikfeindschaft, sondern der
Hoffnung auf eine durchaus "moderne" herrschaftsfreie, demokratieverträgliche Technik.
Der Sozialwissenschaftler Gunter Gebauer führt in seinem Beitrag zur Technokratie-Diskussion aus: "Es
gibt nur eine bekannte politische Theorie, die konsequent und ohne theoretische Kompromisse die Idee des politischen Primats bei einer gleichzeitigen Anerkennung der "Techniker" verfolgt, und das ist ohne
Zweifel nicht der Marxismus, der selbst mit einer eigenen Spielart der Technokratie zu kämpfen hat, sondern der Anarchismus oder 'libertäre Sozialismus'. Seine Grundidee besteht darin, alle autoritären Tendenzen
aus den politischen und ökonomischen Organisationsformen zu eliminieren; jede etatistische und technokratische Autorität soll idealerweise ausgeschaltet werden. Politik und Ökonomie werden nach 'libertärer'
Theorie vom Volk in eine Selbstverwaltung übernommen; alle gesellschaftlichen Aufgaben, Funktionen, Pflichten werden an möglichst alle Bürger delegiert. Die selbstverwaltete Gesellschaft wird vor einer
neuerlichen Autoritätsbildung geschützt, indem die Verwaltung sowie die politische und ökonomische Führung durch Wahl eingesetzt wird und später der Möglichkeit einer Abwahl ausgesetzt bleibt."[58]
Der libertäre Sozialismus kann als ein "Befreiungsprogramm" begriffen werden, das dem Menschen eine entscheidende Grundlage dafür liefert, sich aus seiner Verstrickung in Unterwerfungsideologien (z.B.
Patriarchat) und Unterwerfungsordnungen (z.B. betriebliche Hierarchie) zu lösen. In Anlehnung an Max Stirner wäre so die Beziehung des Individuums zu seiner Lebenswelt als selbst bestimmbarer und
eigenverantwortlich kreierbarer Bereich zu definieren.[59] Wird das "Ich" dem gemäß als Möglichkeit ergriffen und entworfen, so kann die gefundene "eigene" Lebensform nicht mehr von anderen
gestaltet oder als Maske für fremde Interessen missbraucht werden. Das libertäre Programm setzt auf neue Interaktions- und Kommunikationsmuster, deren Grundlagen sich jenseits eines darwinistischen
Gesellschaftsbildes befinden. Die Thesen vom "Kampf ums Dasein" und vom "survival of the fittest”, die der Soziologe Herbert Spencer [60] populär gemacht hatte, waren von Piotr A. Kropotkin in
seinem Werk "Mutual Aid. A Factor of Evolution" bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts massiv relativiert worden.[61] Nicht die "Gesetze des Dschungels” sieht Kropotkin im Zentrum des
gesellschaftlichen Zusammenlebens, sondern die "gegenseitige Hilfe". Die für alle lebendige Entwicklung notwendige Eigenschaft stellt die Soziabilität dar. Sie tritt nach Kropotkin stärker in
Erscheinung als der Selbsterhaltungstrieb. Die wesentliche Motivation für das menschliche Handeln liegt demnach in der Entfaltung der eigenen Individualität, mehr aber noch im Streben nach gelungenen Beziehungen
mit den Mitmenschen.
Hierbei stellt sich die naheliegende Frage nach dem Zusammenspiel der wirtschaftlichen Kräfte. Die wesentlichen ökonomischen Theoretiker aus dem Spektrum des libertären Sozialismus
zeigen sich überzeugt, dass es Alternativen innerhalb der Industriegesellschaft gibt, aber keine zu ihr. Das ist auch ein Punkt, der ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu manchen Vertretern der liberalen Schule
darstellt. Als ein Angehöriger der ordoliberalen "Freiburger Schule" ging Alexander Rüstow in den 1950er Jahren davon aus, dass eine "Dispersion wirtschaftlicher Macht" allein auf der Grundlage
weitgestreuten Eigentums, ungehinderter Marktwirtschaft und Abwesenheit von Monopolen, Großbetrieben und staatlicher Kontrolle möglich wäre. Das Ideal, das Rüstow vorschwebte, war eine dezentrale Republik von
freien Kleinproduzenten. Im technischen Fortschritt sah er eine Gefahr für mittelständische Unternehmen, weil damit eine Begünstigung der industriellen Konzentration gegeben sei. Rüstow trat dafür ein, die
Herausbildung von Großbetrieben grundsätzlich zu verhindern, alle Forschungsleistungen, die sich an den Bedürfnissen einer kleinräumigen, kleinbetrieblichen Wirtschaftsstruktur ausrichten sollten, hätten sich
ausschließlich im Bereiche der öffentlichen Hand zu vollziehen gehabt.[62] Im libertären Denken spielt die Idee des lokalen Wirtschaftens innerhalb dezentraler Strukturen ebenfalls eine wesentliche
Rolle – doch eben nicht nur. In der Programmatik des Syndikalismus aber auch bei anderen Theoretikern des libertären Spektrums ist die Gestaltung eines herrschaftsfreien Raumes auch innerhalb des Rahmens einer
industriell geprägten Ökonomie vorstellbar. In seiner 1921 erstmals erschienenen Schrift "Die Neuschöpfung der Gesellschaft" plädierte Pierre Ramus für den Aufbau eines Gildensozialismus.[63] Er
meinte damit eine Wirtschaftsverfassung, innerhalb der der gesamte Produktionsmittelbestand einer Region von branchenmäßig gegliederten Selbstverwaltungskörpern übernommen wird: Diese Selbstverwaltungskörper,
Gilden genannt, stellen die Arbeitsmittel zur Verfügung und sie sind "von unten" demokratisch kontrolliert. Als ökonomische Hauptprinzipien sind in diesem Zusammenhang bei Ramus formuliert: 1.
Innerhalb der Gesellschaft darf es keinerlei Monopolisierung von Arbeitsgeräten, Grund und Boden, Rohmaterialien sowie allen, für jedes Individuum wichtigen Lebensmittel durch einzelne Personen geben. 2. Die
Lebensbedingungen müssen für sämtliche Gesellschaftsmitglieder so geartet sein, daß kein Individuum genötigt ist, sich einer anderen Person unter ausbeuterischen Bedingungen zur Verfügung stellen zu müssen.
Eine von Monopolen und Oligopolen befreite "Marktwirtschaft ohne Kapitalismus" mit Eigentumsanteilen für alle Bürgerinnen und Bürger setzt bei konsequenter Betrachtung auch eine Veränderung der
Geldordnung voraus, welche das bislang zinstragende Geld neutralisiert und die bisherige auf der Kapitalkonzentration beruhende "technologische Formation" der Gesellschaft dadurch in einem allmählichen
Übergangsprozess zu einer stärker egalitären Gesellschaft umformt.[64]
Da das Geld in der modernen Wirtschaftsgesellschaft das wichtigste Mittel der ökonomischen Regulierung darstellt und zugleich alle
Instrumente zur Abwicklung der Transaktionen einschließt (Münzen, Banknoten, Depots, Rechner, aber auch Verfahrensregeln, genormte Abläufe und das zugehörige spezifische Wissen), ist der Zusammenhang von Technik
und Gesellschaft in diesem Sektor evident wie sonst kaum irgendwo. Es ist das Geld, das den Austausch zwischen ökonomisch handelnden Personen vermittelt, das die Informationsfindung und die Kommunikation
erleichtert, das seiner äußeren physischen Form nach alle Eigenschaften einer Technologie aufzuweisen hat. Für den US-amerikanischen Großtechnik-Kritiker Lewis Mumford ("The Myth of the Machine") ist
eine Betrachtung der "Technologie Geld" ohne Bezugnahme auf seine Funktion als Herrschaftsmittel jedoch unvollständig. Er sieht im modernen Produktionsprozess die Umwandlung menschlicher Arbeit in
abstrakte, gleichförmige Einheiten, "letztlich in Einheiten von Energie oder Geld ...". Geldkapital ist unendlich sammelbar, akkumulierbar, hortbar, es kennt keine biologischen Grenzen und es bewirkt
wegen seiner Tendenz, Vermögenskonzentrationen zu fördern, ein Machtgefälle innerhalb der Gesellschaft. Für Mumford ist das herkömmliche Geld "... das gefährlichste Halluzinogen des modernen
Menschen".[65]
Aus diesen Überlegungen ergibt sich die Forderung nach einem Geldwesen, das Knappheit und Unterversorgung im ökonomischen Bereich überwinden hilft, das aber auch einer ökologisch
problematischen "Teufel-komm-raus"-Produktion einen Riegel vorschiebt.
Dies entspräche einem Gelde, das seine Funktion als Herrschaftsmittel verloren hat und das keine durch die Zinswirkung herbeigeführten Verteilungsungerechtigkeiten mehr kennt. Auf der Suche nach einer solchen neuen Geldordnung werden die Konzepte eines Pierre-Joseph Proudhon [66] oder eines Silvio Gesell [67], die eine Angleichung von Warenwelt und Geldwesen anstrebten, besonders beachtlich sein. Geld, das wie die Ware einem "Alterungsprozess" (Dieter Suhr) unterworfen ist, indem es periodisch einen Teil seines Nennwertes einbüßt, wirkt einer Selbstvermehrung der großen Vermögen entgegen, die Verteilungsprobleme könnten so zumindest entschärft werden. Dass bei solcherart verstetigter Konjunktur ein umweltverträgliches Produktionsniveau erreichbar wird, dafür sorgen der verminderte Rentabilitätsdruck, der sich aus dem "alternden Geld" ergibt, und der Umstand, dass Anleger unter den veränderten Bedingungen zu wertbeständigen Realinvestitionen tendieren werden. Unter diesen Umständen wird die Wirtschaftlichkeit anstelle der Rentabilität zum Hauptkriterium der ökonomischen Vernunft. Hinzu kommt, dass nach den Vorstellungen Gesells auch der Boden und die Ressourcen nicht länger der Verfügung des anlagesuchenden Kapitals ausgeliefert sein sollen. Sie sollen vielmehr in gesellschaftliches Eigentum übergehen, an dem entgeltliche Rechte zur privaten Nutzung ausgegeben werden. Während sich aus den Entgelten für die Nutzung von Ressourcen ökologische Investitionen finanzieren lassen, könnte aus den Entgelten für die Nutzung von Grundstücken zu Wohn- und Arbeitszwecken eine soziale Grundsicherung finanziert werden.[68]
In ähnlicher Weise wollen auch neuere Autoren wie Günther Witzany ein gesellschaftliches Basiseinkommen an eine Bodenrechtsreform gekoppelt wissen. Das Privateigentum an Grund und Boden, dem nicht zu
Unrecht beachtliche negative Auswirkungen zugeschrieben werden (Spekulationsobjekt; unkontrollierte Effekte von Bodenwertsteigerungen; Pachtzins als Monopoltribut, da der Boden ein unvermehrbares Gut darstellt) soll
aufgelöst werden. Unter der Verwaltung des Grund und Bodens durch die öffentliche Hand wären über den Weg der Pachteinnahmen von Ländern und Gemeinden die finanziellen Voraussetzungen geschaffen, ein
Grundeinkommen ohne Arbeit sicherzustellen.[69]
Der programmatische Ansatz einer "egalitär materiellen Grundsicherung mit dem Status eines Bürgerrechts", der inzwischen auch von prominenten
Ökonomen vertreten wird, ist von der Erwartung getragen, dass mit einer solchen Befreiung des Menschen von der Lohnarbeit dem Dasein unnötige Härten genommen würden und dass die Herstellung eines neuen sozialen
Klimas möglich werde. Die Lösung des Einkommens von der Arbeitstätigkeit und das Beschreiten neuer Wege im Hinblick auf eine Subsistenzsicherung erweitern die Chancen auf eine friedliche Koexistenz zwischen
technisch hoher Leistungsfähigkeit und strukturell bedingter reduzierter Arbeitsnachfrage. Erst unter den Bedingungen, die ein "basic income" schaffen würde, wird die Technik zum Helfer des Menschen, da
sie ihn von der Arbeit entlastet und ihn nicht mit der Sorge um seine Existenz belastet. Menschen werden nicht mehr gezwungen, um jeden Preis in einem Unternehmen tätig zu sein, in dem sie nur einen Bruchteil
dessen bekommen, was sie für den Betrieb tatsächlich erarbeiten. Die Subventionierung verlustträchtiger Unternehmen würde überflüssig und Betriebe, die umweltpolitisch bedenklich sind, könnten ohne
gravierende Kaufkraftverluste befürchten zu müssen, geschlossen werden. Entbunden der Sorge um die tägliche Lebenshaltung wären für die Menschen viel größere Spielräume gegeben, etwa Wissenschaft oder Kunst
zu betreiben, sich politisch zu betätigen oder sich humanitären bzw. idealen Beschäftigungen hinzugeben.[70]
Anstatt als ausgelaugte, von Zeitnot geplagte Zombies im Laufschritt umherzuhetzen, hätten die
Menschen endlich die Chance, sich ausgeruht und energiegeladen in einem der wachsenden Non-ProfitSektoren einzubringen. Die Stärkung einer postmaterialistisch ausgerichteten Gemeinwirtschaft, die sich nicht mehr
nur nach sichtbaren ökonomischen Ergebnissen wie etwa Gewinnen misst, könnte dazu führen, dass die Integrationsleistung der Gesellschaft insgesamt erhöht wird (Selbsthilfeaktionen, Pflege von Behinderten,
Generationensolidarität, Nachbarschaftshilfe). Die in der Blüteperiode des industrielltechnischen Zeitalters von Max Stirner entwickelte Idee des "Vereins" als Assoziation der "Eigenen", der
eine echte Begegnung zwischen authentisch handelnden Personen möglich machen sollte, hätte endlich seine Chance auf Verwirklichung.
Anmerkungen:
[Übersicht]
[01] Heinz von Foerster,
Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker, Heidelberg 2001, S. 36. [02] Hans Lenk, «Technokratie» als gesellschaftskritisches Klischee, in: Hans Lenk (Hg.), Technokratie als
Ideologie. Sozialphilosophische Beiträge zu einem politischen Dilemma, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1973, S. 14. [03] Günter Ropohl, Zur Technokratie-Diskussion in der Bundesrepublik Deutschland, in: Hans Lenk
(Hg.), Technokratie als Ideologie. Sozialphilosophische Beiträge zu einem politischen Dilemma, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1973, S. 75. [04] Hans Freyer, Einleitung in die Soziologie, Leipzig 1931, S. 94,
zitiert in: Gerd Hortleder, Das Gesellschaftsbild des Ingenieurs. Zum politischen Verhalten der technischen Intelligenz in Deutschland, Frankfurt/M 1970, S. 98. [05] Werner Rammert, Technisierung und Medien in
Sozialsystemen – Annäherungen an eine soziologische Theorie der Technik, in: Peter Weingart (Hg.), Technik als sozialer Prozeß, Frankfurt/M 1989, S. 164.
[06] James Burnham, Das Regime der Manager, Stuttgart 1951, Sn. 327 und 121. [07] Walther Rathenau, Zur Mechanik des Geistes oder vom Reich der Seele, Berlin 1913. Beachte auch: Eva-Maria Demuth, Walther
Rathenau. Ein Portrait, in: Anno. Magazin für Unternehmensgeschichte, Nr.1 /1993 [08] Walther Rathenau, Zur Kritik der Zeit, Berlin 1912, zitiert in: Harry Kessler, Walther Rathenau. Sein Leben und sein Werk,
Frankfurt/M 1988, S. 95 [09] Walther Rathenau, Physiologie der Geschäfte, Zukunft (1901), zitiert in: Kessler 1988, S. 44 [10] Thomas P. Hughes, Walther Rathenau: "system builder", in:
Thomas P. Hughes (u. a.), Mann vieler Eigenschaften. Walther Rathenau und die Kultur der Moderne, Berlin 1990, S. 16. Als Quelle gibt Hughes an: W. Hartenau (W. Rathenau), Die Resurrection Co., in: Die Zukunft VI, 9. Juli 1918, S. 72-78.
[11] Thorstein Veblen, The Engineer and the Price System, New York 1921 [12] Julius Werner, Wissenschaft und Technokratie, in: Technokratie Heft 2, Brünn-Prag-Leipzig-Wien 1933, S. 11. [13] Gisela Klein,
The Technocrats. Rückblick auf die Technokratie-Bewegung in den USA, in: Hans Lenk (Hg.), Technokratie als Ideologie. Sozialphilosophische Beiträge zu einem politischen
Dilemma, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1973, S. 47. [14] "Technokratie als Religion." In: Der Österreichische Volkswirt, 25. Jg., Nr. 21 vom 18. Februar 1933, S. 480. [15] Julius Werner,
Wissenschaft und Technokratie, in: Technokratie Heft 2, Brünn-Prag-Leipzig-Wien 1933, S. 98. [16] Julius Werner, Wissenschaft und Technokratie, in: Technokratie Heft 2, Brünn-Prag-Leipzig-Wien 1933, Sn. 27 und
30. [17] Julius Werner, Wissenschaft und Technokratie, in: Technokratie Heft 2, Brünn-Prag-Leipzig-Wien 1933, S. 9. [18] Ropohl in Lenk 1973, S. 59. [19] Klein in Lenk 1973, S. 51. [20] Julius Werner,
Wirtschaftsform und Technokratie, in: Technokratie Heft 3, Brünn-Prag-Leipzig-Wien 1933, S. 89. [21] Julius Werner, Wissenschaft und Technokratie, in: Technokratie Heft 2, Brünn-Prag-Leipzig-Wien 1933, S. 13;
Julius Werner, Wirtschaftsform und Technokratie, in: Technokratie Heft 3, Brünn-Prag-Leipzig-Wien 1933, S. 25; Julius Werner, Technokratie. Aufruf an die wissenschaftliche Intelligenz, in: Technokratie Heft 1,
Brünn-Prag-Leipzig-Wien 1933, S. 49. [22] Julius Werner, Wirtschaftsform und Technokratie, in: Technokratie Heft 3, Brünn-Prag-Leipzig-Wien 1933, S. 21. [23] Julius Werner, Wirtschaftsform und Technokratie,
in: Technokratie Heft 3, Brünn-Prag-Leipzig-Wien 1933, S. 29. [24] "Technokratie als Religion." In: Der Österreichische Volkswirt, 25. Jg., Nr. 21 vom 18. Febr. 1933, S. 480. Beachte auch:
"Technokratie." In: Der Österreichische Volkswirt, 25. Jg., Nr. 17 vom 21. Jänner 1933, S. 384. [25] Klein in Lenk 1973, S. 57. [26] Burnham 1951, S. 200. [27] Heinz Hülsmann im Gespräch mit
Rainer Alisch: Rainer Alisch, Heidegger, Technologie und Faschismus – Heinz Hülsmann im Gespräch mit Rainer Alisch, in: Walter Blumberger und Dietmar Nemeth (Hg.), Der Technologische Imperativ. Philosophische
und gesellschaftliche Orte der Technologischen Formation, Wien- München 1992, S. 100. [28] Gerhard Senft, Tyrannei und Modernisierung. Der techno-ökonomische Wandel im Dritten Reich, in: Österreichische
Gesellschaft für kritische Geographie (Hg.), Auf in die Moderne! Österreich vom Faschismus bis zum EU-Beitritt, Wien 1996, S. 54 ff. [29] Walter Hildebrandt, Die industrielle Führungsschicht in der Sowjetunion
und ihre Organisationsprobleme, in: Ernst Wolf Mommsen (Hg.), Elitebildung in der Wirtschaft, Darmstadt 1955, S. 202ff.
[30] Jürgen Habermas, Technik und Wissenschaft als "Ideologie", Frankfurt/M 1968, S. 83. [31] Habermas 1968, S. 92. [32] Habermas 1968, S. 100. [33] Die Arbeiten des vor kurzem verstorbenen Ernst
Topitsch dürfen noch immer als erste Anlaufstelle im Bereich der Ideologie-Forschung eingestuft werden. Ernst Topitsch, Sozialphilosophie zwischen Ideologie und Wissenschaft, Neuwied 1966, S. 22. [34] Heiner
Hastedt, Aufklärung und Technik. Grundprobleme einer Ethik der Technik, Frankfurt/M 1994, S. 188. [35] Gunter Gebauer, Der Mythos der Technokratie und seine Realität, in: Hans Lenk (Hg.), Technokratie als
Ideologie. Sozialphilosophische Beiträge zu einem politischen Dilemma, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1973, S. 87. [36] Hortleder 1970, S. 106. [37] Helmut Schelsky, Der Mensch in der technischen Zivilisation,
in: Helmut Schelsky, Auf der Suche nach Wirklichkeit, München 1961. [38] Helmut Schelsky zitiert nach Habermas 1968, S. 116. [39] Ropohl in Lenk 1973, S. 65. [40] Otto Ullrich, Technik und Herrschaft. Vom
Handwerk zur verdinglichten Blockstruktur industrieller Produktion, Frankfurt/M 1979, S. 40. [41] Hortleder 1970, S. 105 f. [42] Ernst Kotzmann, Zwischen Geist und Maschine. Mathematik in der Technologischen
Formation, in: Walter Blumberger und Dietmar Nemeth (Hg.), Der Technologische Imperativ. Philosophische und gesellschaftliche Orte der Technologischen Formation, Wien-München 1992, S. 204 f. [43] Vgl. die
sogenannten "3 M" nach REFA (= Reichsausschuss für Arbeitszeitermittlung): Mensch – Maschine – Material
[44] Richard Sennett zitiert im Folder zu den Wiener Vorlesungen, Wiener Rathaus am 14. November 2002. [45] Walter Blumberger, Szientifizierung und Flexibilisierung: Das Arbeitsvermögen als Ort der
technologischen Formation, in: Walter Blumberger und Dietmar Nemeth (Hg.), Der Technologische Imperativ. Philosophische und gesellschaftliche Orte der Technologischen Formation, Wien-München 1992, S. 223.
[46] Ullrich 1979, S. 52. [47] Ullrich 1979, S. 125. [48] Leopold Kohr, Das Ende der Großen, Wien 1986. [49] Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung, Frankfurt/M 1984, S. 294. [50] Fritjof Capra,
Wendezeit – Bausteine für ein neues Weltbild, Bern-München-Wien 1983. Vor kurzem hat Capra ein weiteres umfangreiches Werk vorgelegt: Fritjof Capra, Verborgene Zusammenhänge, Bern-München-Wien 2002.
[51] Hastedt 1994, S. 159. [52] Rolf Peter Sieferle, Fortschrittsfeinde? Opposition gegen Technik und Industrie von der Romantik bis zur Gegenwart, München 1984, S. 231.
[53] Rudolf Bahro, Logik der Rettung, Stuttgart-Wien 1987, S. 314. [54] Fritjof Capra im Interview mit Michael Haller und Harald Wiese, in: Der Spiegel Nr. 10, 1984, S. 187 ff. [55] Kongress-Papier
"Ganzheitliches Management" aufgearbeitet in: Gerhard Senft, Gesichter der Esoterik. Ein Streifzug durch das Reich des Irrationalismus, Wien 1992, S. 46. [56] Marylin Ferguson zitiert in: Roman
Schweidlenka, Altes blüht aus den Ruinen. New Age und neues Bewußtsein, Wien 1989, S. 117. [57] Der Begriff der libertären Demokratie ist entlehnt von Ulrich Rödel. Ulrich Rödel (Hg.), Autonome Gesellschaft
und libertäre Demokratie, Frankfurt/M 1990 [58] Gebauer in Lenk 1973, S. 91. [59] Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum, Freiburg/Br. 1986 [60] Herbert Spencer, The Man versus The State: A Classic
Statement of the Case for Individual Liberty, London 1945 (Erstausgabe 1888). [61] Piotr A. Kropotkin, Gegenseitige Hilfe in der Entwicklung, Leipzig 1904.
[62] Alexander Rüstow, Kritik des technischen Fortschritts, in: Ordo Nr. 4, 1951, S. 373 ff. [63] Pierre Ramus, Die Neuschöpfung der Gesellschaft, Wien 1921
[64] Dieter Suhr, Alterndes Geld, Schaffhausen 1988. [65] Lewis Mumford, Mythos der Maschine. Kultur, Technik und Macht, Wien 1974, Sn. 315, 409, 524 und 528. [66] Lutz Roemheld und Gerhard Senft (Hg.),
Pierre-Joseph Proudhon, System der ökonomischen Widersprüche oder: Philosophie des Elends, Berlin 2003. [67] Silvio Gesell, Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld (1920), in: Gesammelte
Werke Band 11, Lütjenburg 1991. [68] Etwa zur Zeit Gesells traten die Österreicher Josef Popper-Lynkeus und Pierre Ramus für eine Grundversorgung für die gesamte Bevölkerung ein. Popper-Lynkeus wollte
dieses "basic income" aus dem allgemeinen Staatshaushalt, Ramus aus einem selbstverwalteten Sozialversicherungsfonds finanziert wissen. Josef Popper-Lynkeus, Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der
sozialen Frage, Dresden 1912. Gerhard Senft (Hg.), Pierre Ramus, Erkenntnis und Befreiung. Konturen einer libertären Sozialverfassung, Wien 2000, S. 122 ff. [69] Günther Witzany, Größenwahn –
Geschwindigkeitsrausch – Vereinigungsfieber. Texte zum Ende der Fortschrittsreligionen, Salzburg 1992, S. 36. [70] Witzany 1992, S. 36. August Schorsch (Hg.), Des Ingenieurs Josef Popper allgemeine Nährpflicht
als nötige Institution für die Computer-Gesellschaft, Düsseldorf 1986, S. 184. Friedrich F. Brezina, Gesellschaft ohne Armut. Zur Erinnerung an Josef Popper-Lynkeus, Wien 1996
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